Griechische Landschildkröten

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Foto (© Horst Schäfer): Ausgewachsene Breitrandschildkröten auf der Peloponnes. Foto (© Horst Schäfer): Ausgewachsene Breitrandschildkröten auf der Peloponnes.

Ihrem einzigartigen Bauplan im Tierreich, der sich über 220 Millionen Jahren kaum verändert hat, und ihrem urzeitlichen Aussehen verdanken Schildkröten eine faszinierende Wirkung auf viele Menschen und eine besondere Stellung in Sage und Mythologie. Dort stehen sie für Langlebigkeit und Weisheit, Gesundheit, Zähigkeit und Ausdauer.


Der Sage nach hat sich Apollo in eine Schildkröte verwandelt, als er der Nymphe Dryope nachstellte, und die Schildkröten Arkadiens waren Pan geweiht und deshalb im alten Griechenland unantastbar. Durch ihren meist mit großen Hornschildern bedeckten Knochenpanzer sind die Schildkröten unverwechselbar gekennzeichnete Reptilien. Trotz der Anpassungen an die unterschiedlichsten Lebensräume (Süß-, Meerwasser, Land) ist die Fortpflanzungsweise gleich geblieben: Alle Schildkröten legen Eier in selbst gegrabene Eigruben an sonnenexponierten Plätzen. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass die Schildkröten zu den am stärksten in ihrer Existenz bedrohten Reptilien gehören. Ihre Brutplätze werden von Menschen beeinträchtigt oder zerstört.

Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni) lassen sich aufgrund ihrer gemächlichen und unbeholfenen Fortbewegungsweise leicht beobachten. Meist entdeckt man sie in den Morgenstunden, während sie sich in den heißen Mittagsstunden im Schatten von Strauchwerk verbergen oder sich leicht in den Boden eingraben. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus krautigen Pflanzen. Sie ist praktisch in ganz Griechenland zu Hause, fehlt aber auf den Inseln.

Die Breitrandschildkröte (Testudo marginata) ist mit 35 cm Länge die größte griechische Landschildkröte. Sie ist an dem in der Mitte etwas eingeschnürten Panzer und der auffälligen Verbreiterung der hinteren Randschilder (ähnlich einem Stahlhelm) leicht erkennbar. Sie ist, abgesehen von einem Vorkommen auf Sardinien, die einzige nur in Griechenland vorkommende Schildkrötenart. Die auf Sardinien vorkommenden Tiere gehen wahrscheinlich auf eine erfolgreiche Ansiedlung durch den Menschen zurück. Diese seltene endemische Art, die also nirgendwo anders auf der Welt vorkommt, benötigt strengsten Schutz, um überleben zu können. Sie kommt in Südgriechenland und auf einigen Ägäischen Inseln vor. Während die Griechische Landschildkröte eher das Flachland bewohnt, liebt sie bergiges Gebiet. Alle Landschildkröten sind in ihrem Bestand gefährdet. Neben Fressfeinden und dem Straßenverkehr sind sie vor allem durch die Unsitte bedroht, vor allem die niedlichen Schildkrötenbabys als Haustier mit nach Hause zu nehmen.
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Aus dem Buch: „Die Natur Griechenlands - Die auffälligsten Insekten und Reptilien“

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