Der Kampf für jene ohne Stimme: „Cube of Truth“ in Athen

  • geschrieben von 
Der Kampf für jene ohne Stimme: „Cube of Truth“ in Athen

7. September im Thission in Athen. Ein Samstagabend in einer sehr lebendigen Fußgängerzone. Ich steige aus der Metro aus und treffe mich mit Gleichgesinnten. Zum ersten mal. Einige wenige erkenne ich allerdings wieder, wir waren uns bereits bei einer Solidaritätsveranstaltung für Tiere im Juni begegnet.
Ich selbst habe mich erst zwei Tage zuvor den „Anonymous for the Voiceless: Athens, Greece” angeschlossen. Mein Notebook ist präpariert und zum Video-Abspielen bereit.


Die Stimmung ist gut, man spürt positive Energie. Wir machen uns auf den Weg zum endgültigen Standort des „Cube of Truth”. Dieser befindet sich etwa 200 Meter oberhalb der Metro-Station. Der „Würfel“ (Cube) ist schnell aufgebaut und die vorbeigehenden Menschen werden auf uns aufmerksam. Dieser „Würfel“ ist im Prinzip nichts anderes als ein Quadrat, dessen Kanten von den Aktivisten mit Monitoren, Notebooks oder Tablets, gebildet werden. Ich selbst sehe einen solchen „Cube of Truth” zum ersten Mal aus der Nähe. Es ist interessant, die Passanten zu beobachten, wie sie auf die Videos reagieren. Einige werfen einen kurzen Blick auf die Bildschirme und gehen dann schnell weiter – andere bleiben stehen und sehen sich die Filme an, manche bis zum Schluss.
Nach etwa 40 Minuten bin ich an der Reihe, im Cube zu stehen. Ich setze meine Grinsemaske à la Guy Fawkes auf und löse meine Vorgängerin ab. Ich halte ein Notebook in Händen, über das ein Video über die Haltung von eierlegenden Hühnern in Griechenland abgespielt wird. Im selben Kontext zeigt der Bildschirm meiner Nachbarin das Video „Eggs” (Eier). Schlimme Verhältnisse werden da gezeigt, etwa auch die Ermordung der kleinen männlichen Küken oder kranken weiblichen, welche in der Industrie als Abfallprodukte gelten, und somit bereits an Ihrem ersten Lebenstag auf einem Fließband in einen Industriemischer, den Schredder, in den Tod geschickt werden.
In den insgesamt vierzig Minuten, an denen ich im „Cube” stand, kamen mir fast selbst die Tränen, als ich die Reaktionen der Menschen sah. Einige hatten so etwas noch nie gesehen und waren entsetzt, weil die Wahrheit einfach unfassbar ist. Dennoch hielten die meisten tapfer durch und schauten bis zum Ende, was die Viehzucht-Industrie versucht, den Menschen vorzuenthalten. – Es war ein sehr intensives Erlebnis, für alle Beteiligten. – Ich werde weitermachen, sagte ich zu meinen neuen Freunden vom „Cube“.

Frank Mayer

Nach oben