Umweltprobleme durch Industrie im Stadtgebiet bei Piräus Tagesthema

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In Drapetsona westlich von Piräus stinkt es buchstäblich zum Himmel: Wenn der Wind ungünstig steht, ziehen Schwaden, die laut Anwohnern „nach faulem Kohl“ riechen, über das dicht besiedelte Stadtgebiet. Schulen müssen trotz anderslautender Corona-Maßnahmen Türen und Fenster schließen, Hausfrauen die Wäsche vom Balkon holen. Den Missstand bestätigte gegenüber der Griechenland Zeitung auch eine Anwohnerin.

Wenn der Wind anders steht, seien Teile der Halbinsel von Piräus betroffen, fügte sie hinzu. Ursprung der vermutlich auch gesundheitlich belastenden Dünste sind die Anlagen des Unternehmens Oil One nahe dem Hafen von Piräus. In den letzten Wochen berichtete vor allem der Privatsender „Mega“ über den mutmaßlichen Umweltskandal. Vor einigen Tagen leitete die Staatsanwaltschaft Piräus Ermittlungen ein. Die ersten Zeugen sollten Anfang der laufenden Woche vernommen werden. Außerdem will die Staatsanwaltschaft ein Gutachten des staatlichen Forschungszentrums „Demokritos“ auswerten. Unter anderem soll in den stinkenden Dämpfen das krebserregende Benzol nachgewiesen worden sein. Neben der Staatsanwaltschaft Piräus hat sich auch das Parlament der Sache angenommen: Ein Abgeordneter der konservativen Regierungspartei Nea Dimokratia und eine Abgeordnete der Kommunisten (KKE) richteten entsprechende Anfragen an Umweltminister Kostis Chatzidakis. Es folgte eine Anfrage von 24 Abgeordneten der linken SYRIZA über die Pläne der Regierung zur Umwandlung des Geländes einer früheren Düngemittelfabrik in einen Park. Das Areal mit dem weithin sichtbaren rot-weißen Fabrikschlot grenzt direkt an die strittige Oil-One-Fabrik. Während die Regierung Samaras 2014 dort noch die Möglichkeit von Industrie und verarbeitendem Gewerbe vorsah, erlaubte ein Gesetz der Regierung Tsipras nur noch sanfte Nutzungen und die Anlage eines großen Küstenparks. Zugleich beschloss das Wirtschaftsministerium vergangene Woche, die Investition von Oil One auf den Prüfstand zu stellen. Dabei geht es allerdings nicht um mögliche Umweltbelastungen, sondern um Zuschüsse, die das Ministerium 2014 für die Fabrik zur Behandlung von flüssigen Abfallstoffen aus Erdöl und anderen Ölen gezahlt hatte, und ob die Investition, wie angekündigt, umgesetzt wurde. Unklar ist, ob in diesem Zusammenhang auch die Gretchenfrage auf den Tisch kommt: Wie es möglich ist, mitten in der Stadt die Ansiedlung solcher Industrien zuzulassen und diese auch noch zu fördern. (GZak)

 

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