Schmähung mit fünf Fingern

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Abb.: GZ-Bibliothek, „Instant Greek“ Abb.: GZ-Bibliothek, „Instant Greek“

Bestellen Sie in Griechenland nie fünf oder auch zehn Gläser Wein mit offener Handfläche in Richtung des Kellners! Die Frage „Warum?“ beantworten wir in unserem Artikel.

Diese Geste ist eine moúntza! Und damit will man jemanden beleidigen, beschimpfen und verächtlich machen. Für die Ausführung der moúntza gibt es mehrere Variationen. Neben der einhändigen lässt sich auch jene mit zwei Händen anwenden: Dabei wird die zweite auf den Rücken der ersten gedrückt. „Moúntzes kai stáchtes páno sou!“ heißt ein Spruch. Er bedeutet: „Moúntzes und Asche über dich!“ Damit kommen wir der Herkunft dieser Geste schon näher. Im Babiniotis-Lexikon heißt es, dass moúntza von einem Brauch aus byzantinischer Zeit herrührt: Ein Geächteter, zum Beispiel ein Dieb, wurde mit einer mit rußgeschwärzten offenen Hand eingerieben und gleichzeitig stieß man Flüche gegen ihn aus. Eine, nennen wir sie „populärwissenschaftliche“ Version besagt, dass der ausgetreckte Arm mit offenem Handballen den Wurf eines Steins nachahme, den man in der Antike einem Verstoßenen nachschleuderte, um ihn aus der Gemeinschaft zu verjagen – nicht belegt zwar, doch irgendwie plausibel. Das Bild der moúntza wurde in alle Welt hinausgetragen, als sich vor den griechischen Wahlen 2012 Zigtausende „Empörte“ vor dem Athener Parlament versammelten und mit dieser Geste ihre Wertschätzung gegenüber den damals regierenden Parteien zum Ausdruck bringen wollten. Da bei diesem Bild die „Übersetzung“ der Geste fehlte, dachten Nicht-Griechen wohl an nichts Arges, als sie die unzähligen moúntzes sahen. (GZrs)

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