Palermo leiht Parthenonfragment an Athen aus Tagesthema

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Foto (© Eurokinissi): Der Parthenon-Tempel Foto (© Eurokinissi): Der Parthenon-Tempel

Die „Elgin Marbles“ sind es nicht. Auf den größten Teil des Skulpturenschmucks des Parthenon-Tempels auf der Akropolis wird Athen wohl noch eine Weile warten müssen. Daran änderte auch der Besuch von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bei seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson nichts, der unlängst in dieser Frage persönlich in London vorstellig geworden ist (die GZ berichtete).

Doch es ist immerhin etwas, und vor allem eine Erinnerung daran, dass die Dekoration des wichtigsten Baudenkmals der klassischen Antike eigentlich an ihrem Ursprungsort sein sollte. Die Rede ist von der Ausleihe eines kleinen Bruchstücks des Parthenonfrieses aus Palermo an Athen. Wie das Kulturministerium mitteilte, hat die Leihgabe bereits in der vergangenen Woche den Segen des Archäologischen Zentralrats erhalten. Athen wird seinerseits zwei Stücke aus dem Akropolismuseum nach Palermo schicken.
Das Museo Archeologico Antonino Salinas wird ein in Sizilien befindliches Bruchstück von Platte VI des Ostfrieses des Parthenons für zweimal vier Jahre an Athen ausleihen. Die Fristen seien durch das italienische Antikengesetz vorgeschrieben. Entsprechend wird aus Athen in den ersten vier Jahren eine kopflose Athena-Statue und anschließend eine archaische Vase nach Sizilien gehen. Der Austausch sei die Frucht von Kontakten von Kulturministerin Lina Mendoni mit der sizilianischen Regionalregierung gewesen, die im Januar dieses Jahres begannen, heißt es weiter. Das Fragment werde noch 2021 in Athen erwartet. Ob die Dauerleihgabe anschließend verlängert oder nach einer Pause wiederholt werden kann, wurde nicht bekannt.

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Die Friesplatte IV des Parthenon im Akropolismuseum (l.). Fragment von Palermo (r.) als Abguss. (Foto: theacropolismuseum.gr)

Bei dem Fragment handelt es sich um ein Stück des Hinterkopfes einer Darstellung der Aphrodite. Der linke, relativ gut erhaltene Teil von Friesplatte VI befindet sich in Athen und zeigt die Götter Poseidon, Apollon und Artemis. Es folgen Aphrodite und Eros, die heute weitgehend zerstört, aber zum Teil durch ältere Abgüsse belegt sind, sowie rechts vier Männergestalten, von denen drei teilweise erhalten sind und sich im British Museum befinden.
Der Tauschgeste kommt trotz des eher unscheinbaren Objekts besondere Bedeutung zu, weil sie demselben Konzept entspringt, das die Griechen dem British Museum angeboten und jüngst auch Ministerpräsident Mitsotakis Premier Johnson vorgeschlagen hatte: Eine Dauerleihgabe im Austausch gegen andere repräsentative Kunstwerke der griechischen Klassik. Nur lassen sich die Briten darauf nicht ein und argumentieren mit der formalen Rechtmäßigkeit des Erwerbs durch das Londoner Museum im Jahr 1816. Außerdem verweisen sie gebetsmühlenhaft auf die alleinige Zuständigkeit des British Museum, das nach einem Gesetz von 1963 keine Kunstwerke weggeben darf. (GZak)

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