Staatspräsident in Amphipolis: Bemerkungen für Berlin und Skopje

  • geschrieben von 
Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos.

Am Sonntag wurde Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos zum Ehrenbürger von Amphipolis in Nordgriechenland ernannt. In seiner Rede hat er u. a. das Thema der Kriegsentschädigungen durch Deutschland sowohl die ungelöste Namensfrage des Nachbarlandes FYROM zur Sprache gebracht.

Griechenlands hat Anspruch auf Entschädigungszahlungen durch Deutschland für die Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg sowie auf die Rückzahlung einer im Jahre 1941 von Berlin erhobenen Zwangsanleihe, um die Besatzungskosten zu decken. Das sagte Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos anlässlich eines Besuches in der nordgriechischen Gemeinde Amphipolis, wo er zum Ehrenbürger ernannt wurde.


Die Gefahr der Nazis
In Kormista, das sich 25 Kilometer nordöstlich von Amphipolis befindet, hatten am 1. Oktober 1941 Besatzer aus Bulgarien und Deutschland 91 Menschen getötet. Pavlopoulos stellte ferner fest, das vom 29. September bis zum 5. Oktober des gleichen Jahres in den Städten Drama, Serres, Kavala und in dort befindlichen Dörfern etwa 5.000 Griechen durch die faschistischen Besatzer exekutiert worden seien.
Während seiner Nominierung zum Ehrenbürger von Amphipolis wies der Präsident  auch auf die Gefahr des Wiederauftretens „populistischer und  neonazistischer politischer Formationen“ in Europa hin.

Das Makedonische Amphipolis
Der Präsident befasste sich in seiner Rede auch mit der langen Geschichte von Amphipolis. Diese wurde 437 vor Christus gegründet. Im Jahr 357 vor Christus wurde sie von Philipp II. erobert und war seither Teil Makedoniens. Im Sommer 2014 wurde auf dem Hügel Kasta von Archäologen eine Grabstätte aus dem 4. Jhdt. vor Christus entdeckt. Einige Wissenschaftler wollen nach wie vor nicht ausschließen, dass es sich um das Grab Alexanders des Großen handeln könnte. Wahrscheinlicher ist jedoch die Theorie, dass dort eventuell eine Person, die dem Welteroberer nahestand, beerdigt wurde.
Pavlopolos sprach davon, dass dieser Ausgrabung „große historische Bedeutung“ zukomme. Es handle sich um „eine der größten der letzte Jahre“. Sie werde zum besseren Verständnis der Makedonischen Königreichs beitragen. Und noch mehr Beweise dafür liefern, dass „Makedonien griechisch ist“.

Namensstreit mit der FYROM
Damit sandte der Staatspräsident eine Botschaft an das nördliche Nachbarland, die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (UNO-Kurzbezeichnung: FYROM), das sich selbst laut seiner Verfassung als Mazedonien bezeichnet. Griechenland hat gegen diesen Sprachgebrauch von seinem Veto-Recht Gebrauch gemacht. Damit ist vorerst der Weg Skopjes in die EU und die NATO versperrt. Athen befürchtet u. a. künftige Territorialansprüche des nördlichen Nachbarn auf die gleichnamige griechische Region Makedonien. In diesem Zusammenhang stellte das Staatsoberhaupt fest, dass die EU „Regeln hat“. Es könnte nicht sein, dass es ein EU-Land gebe, dessen Name „Irredentismus ausstrahlt“. Athen hat mehrfach betont, dass es den EU- sowie NATO-Beitritt Skopjes unterstützen werde, sobald der seit Anfang der 90er Jahre anhaltende Namensstreit beigelegt worden ist.

Elisa Hübel

 

Nach oben