Zähes Ringen um die Namensgebung der FYROM Tagesthema

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Unsere Fotos (© Eurokinissi) zeigten Ministerpräsident Tsipras (l.) während der Treffen mit den Vertretern der Oppositionsparteien Mitsotakis, Gennimata und Theodorakis. Unsere Fotos (© Eurokinissi) zeigten Ministerpräsident Tsipras (l.) während der Treffen mit den Vertretern der Oppositionsparteien Mitsotakis, Gennimata und Theodorakis.

Eine seit etwas mehr als einem viertel Jahrhundert anhaltende Problematik könnte demnächst in die Zielgerade für eine Lösung gehen. Es handelt sich um eine endgültige Namensgebung für die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (UNO-Kurzbezeichnung: FYROM). Dieses Nachbarland wird in Athen bisher meist nur als Skopje – nach dessen Hauptstadt bezeichnet.

UN-Diplomat in Athen und Skopje
Am Dienstag wird der Sonderbeauftragte der UNO, Matthew Nimetz, in Griechenland erwartet. Hier will er Unterredungen mit der politischen Führung des Landes führen. Anschließend reist er am Mittwoch weiter nach Skopje, um die Lage dort unter die Lupe zu nehmen.
Allerdings haben die Außenminister der beiden Länder den Wunsch zum Ausdruck gebracht, die größte Last der Verhandlungen selber zu tragen. Nimetz hat bereits fünf Namensvorschläge auf dem Tisch gelegt; auf deren Basis die Verhandlungen stattfinden. Es handelt sich um zusammengesetzte Namen, die auf slawisch ausgesprochen und geschrieben werden. Die Benennung als Republika Makedonija (Skopje) soll bereits abgelehnt worden sein.
Um für gutes politisches Wetter im Parlament zu sorgen, hatte Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras am Samstag die Vorsitzenden der Oppositionsparteien über den Stand der Verhandlungen informiert. Sowohl Fofi Gennimata (PASOK) als auch Stavros Theodorakis (To Potami) vertraten die Ansicht, dass das Nachbarland seine Verfassung ändern müsse, um mögliche künftige Territorialansprüche auf griechisches Territorium zu vermeiden. Einig war man sich darin, dass man einen zusammengesetzten Namen für das Nachbarland finden müsse.
Gennimata warf dem Premier allerdings vor, mit gespaltener Zunge zu sprechen. Dabei geht es vor allem um die Haltung des rechtspopulistischen Regierungspartners „Unabhängige Griechen“ (ANEL). Letztere weigern sich einen zusammengesetzten Namen zu akzeptieren, in dem der Begriff „Mazedonien“ vorkommt.

Reaktionen der Opposition
Eine ähnliche Haltung wie die ANEL, vertritt auch der Vorsitzende der „Zentrumsunion“ Vassilis Leventis. Und der Generalsekretär der kommunistischen Partei KKE Dimitris Koutsoumbas zeigte sich nach dem Treffen mit Tsipras am Samstag wenig optimistisch, dass es überhaupt zu einer Lösung kommen werde.
Eine ähnliche Haltung vertritt auch Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia (ND); Griechenlands größte Oppositionspartei. Am Samstag brachte er nach dem Treffen mit Tsipras zum Ausdruck, dass diese Unterredung viel zu spät stattgefunden habe. Stark kritisiert hat er die Verhandlungsbemühungen der griechischen Regierung. Demnach müsse die Namensfrage als „Ganzes“ und „nicht in Teilen“ gelöst werden. Tsipras konstatierte im Anschluss an die Begegnungen, dass er mit den meisten der Vorsitzenden der Oppositionsparteien „eine fruchtbare Diskussion“ geführt habe. „Leider“, so schränkte er ein, „kann man das … über Herrn Mitsotakis nicht sagen“.

Theodorakis per Videobotschaft
Dass sich von der Namensfrage viele Griechen persönlich betroffen fühlen und dass dem Thema eine entsprechende innenpolitische Bedeutung zukommt, zeigt ein weiterer Protest, der am Sonntag (4. Februar) stattfinden soll. Ort der Veranstaltung ist der Athener Syntagmaplatz vor dem Parlament. An dieser Kundgebung wollen sich Kleriker, Künstler sowie Politiker beteiligen: darunter von der ND, der Zentrumsunion und der ANEL. Auch der weltbekannte Komponist Mikis Theodorakis hat eine indirekte Beteiligung zugesagt. Da er aus Altersgründen nicht selbst an der Demo teilnehmen kann, soll von ihm eine digital aufgezeichnete Rede übertragen werden. Der Künstler äußerte sich sehr stolz darüber, dass an einer ähnlichen Protestveranstaltung am 21. Januar in Thessaloniki Hunderttausende Menschen teilgenommen haben. (Griechenland Zeitung / eh)

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