Merkel konstatiert „großen Fortschritt“ für Griechenland Tagesthema

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Unser Archivfoto (Eurokinissi) entstand am 23. März 2015 während eines offiziellen Besuches von Ministerpräsident Alexis Tsipras in Berlin, wo er von Bundeskanzlerin Merkel herzlich empfangen wurde. Unser Archivfoto (Eurokinissi) entstand am 23. März 2015 während eines offiziellen Besuches von Ministerpräsident Alexis Tsipras in Berlin, wo er von Bundeskanzlerin Merkel herzlich empfangen wurde.

Der Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag und Freitag in Athen geht mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen einher: Rund 2.000 Polizisten werden im Einsatz sein. Zahlreiche Straßen werden in der griechischen Hauptstadt gesperrt. 

Am Donnerstagabend hat Merkel eine Begegnung mit Ministerpräsident Alexis Tsipras, am Freitag stehen Gespräche mit Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos und Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia (ND) auf dem Programm. Außerdem nimmt die Kanzlerin an der Deutschen Schule Athen an einer Diskussion mit Schülern über die Zukunft Europas teil.

Die deutsche Spitzenpolitikerin wiederum brachte in der heutigen Ausgabe der in Athen erscheinenden Zeitung „Kathimerini“ die Einschätzung zum Ausdruck, dass sich Griechenland auch künftig auf die „partnerschaftliche Beziehung und die Freundschaft Deutschlands“ verlassen könne. Zudem stellte sie fest, dass die letzten Jahre für viele Menschen in Griechenland sehr schwierig gewesen seien. Doch durch den Abschluss des dritten Reformprogramms im vorigen Jahr habe das Land „einen großen Fortschritt“ erzielt.
Der Linkspolitiker Tsipras, der die Kanzlerin heute Abend in seinem Amtssitz empfangen wird und anschließend ihr zu Ehren ein Essen gibt, würdigte sie als eine Persönlichkeit, die eine wichtige Rolle für die Entwicklungen in Europa spiele.
Diese Wertschätzung war freilich nicht immer so hoch. Letztmals hatte Merkel Griechenland am 11. April 2014 besucht. Damals regierte der ND-Politiker Antonis Samaras. Das Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA), dem Tsipras vorsteht und das damals noch in der Opposition war, hatte die Straßen der Hauptstadt mit zahlreichen Plakaten dekoriert, auf denen u. a. „Nie wieder ein Memorandum“ zu lesen war. Von der Insel Lesbos aus hatte Tsipras gefordert: „Go back, Frau Merkel, Go back, Herr Schäuble!“ Griechenland sei kein Versuchskaninchen. „Geht zurück mit eurer Troika, mit euren Zinswucherern, mit eurer Härte und Überheblichkeit …“, so lautete es damals aus dem Mund des Oppositionspolitikers, der sich anschickte, die Macht zu übernehmen.
Doch als Tsipras Anfang 2015 die Regierungsgeschäfte übernahm, begann sich das Bild langsam zu wandeln. Die beiden Politiker telefonierten miteinander und trafen sich häufig. Βereits zwei Monate nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten reiste Tsipras offiziell nach Berlin, wo für ihn der Rote Teppich ausgerollt und er mit allen Ehren empfangen wurde. Gleichzeitig vollzog Tsipras eine politische Wandlung, die ihm nur wenige zugetraut hätten. Vor allem setzte er neue und einschneidende Sparauflagen um, und er realisierte gegen den Widerstand vieler seiner Anhänger ein umfangreiches Reformprogramm.
Der Besuch der Kanzlerin in Athen kann als vorläufiger Höhepunkt der Bemühungen beider Regierungen gewertet werden, ein konstruktives und freundschaftliches Verhältnis aufzubauen, das vor allem eins im Auge hat: Die Zukunft Europas.

(Griechenland Zeitung / jh)

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