Anschlag gegen ein „Symbol der Demokratie“ in Griechenland

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand nach einem Farbanschlag von Mitgliedern von Rouvikonas vor dem Parlament in Athen. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand nach einem Farbanschlag von Mitgliedern von Rouvikonas vor dem Parlament in Athen.

Am Dienstag haben etwa 15 Personen, die dem linksextremen bzw. autonomen Lager zugeordnet werden, die Fassade des Gebäudes des griechischen Parlaments mit roter und schwarzer Farbe beworfen.

Anschließend brachten sie zwei Rauchbomben gegen die Ordnungshüter zum Einsatz und konnten mehrheitlich entkommen. Lediglich eine 36jährige Person, die von der Polizei dem autonomen Lager zugeordnet wird, konnte festgenommen werden. Der Betreffende soll bereits nach früheren Aktionen der Szene mehrfach aufgefallen und in Polizeigewahrsam gekommen sein.

Solidarität mit einem Terroristen
Die Täter sprachen nach der Aktion vom Dienstag als Zeichen der Solidarität mit dem Terroristen Dimitris Koufontinas, der für zahlreiche Morde verurteilt wurde und eine mehrfache lebenslängliche Haftstrafe verbüßt. Letzterer war Anfang Mai in einen Hungerstreik getreten, um damit einen Hafturlaub zu erzwingen. Das Landeshöchstgericht, der Areopag, will bis Freitag eine diesbezügliche Entscheidung treffen.
Was den Übergriff auf das Parlament betrifft, so sind die Behörden vor allem deshalb besorgt, weil es sich um eines der bestbewachten Gebäude des Landes handelt. Bereits in der vorigen Woche hatten Mitglieder von Rouvikonas eine ähnliche Aktion gegen die Residenz des Botschafters der Vereinigten Staaten im Athener Stadtteil Ampelokipi durchgeführt. Auch hierbei handelt es sich um ein äußerst gut beschütztes Gebäude in der griechischen Hauptstadt.

Kurz vor dem Wahlmarathon
Am kommenden Sonntag finden sowohl Europa- als auch Kommunalwahlen statt. Parlamentspräsident Nikos Voutsis vom regierenden Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) sprach von einer „inakzeptablen“ und „undemokratischen“ Aktion, die das Klima im Wahlkampf verschärfen würde. Derartige Aktivitäten würden nichts zum gesellschaftlichen Kampf beitragen, so der Linkspolitiker.
Im Amtssitz des Premierministers, dem Megaron Maximou, war die Rede von „Vandalismus“. Die Regierungspartei SYRIZA stellte fest, dass alle politisch links orientierten Bürger sowie alle Demokraten derartige Vorfälle verurteilen würden.
Die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia sprach hingegen von der „absoluten Demütigung“ eines Staates, der nicht einmal das Gebäude schützen könne, das die Demokratie symbolisiere.
Die Vorsitzende der Bewegung der Veränderung Fofi Gennimata warf der Regierung vor, derartige Gewaltaktionen zu tolerieren, dadurch trage sie Mitschuld und sei selbst eine Bedrohung für die Gesellschaft.

Elisa Hübel

 

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