Griechenlands Parteien sind angesichts der Corona-Pandemie uneins

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Montag (7.9.) im griechischen Parlament. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Montag (7.9.) im griechischen Parlament.

Am Montag debattierten die Vorsitzenden der im Parlament vertretenen Parteien über den bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie. Während Premierminister Mitsotakis von positiven Fakten sprach, bezweifelte die Opposition, dass dem tatsächlich so sei.

Eine Zusammenfassung der aktuellen Situation an der Front des Coronavirus hat Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Montag (7.9.) während einer Rede im Parlament über den Verlauf der Pandemie sowie der wirtschaftlichen und sozialen Folgen gegeben. Er erklärte, dass Griechenland derzeit 950 Intensivbetten in Krankenhäusern zu Verfügung stünden; bis Ende des Jahres sollen es 1.200 werden. Was den Anstieg der Corona-Fälle während des Monats August angeht, so dementierte Mitsotakis, dass der Tourismus Schuld daran trage; Hauptgrund sei nachlassende Vorsicht, so der Premier. Ziel sei es zudem, die touristische Saison zu retten, die für Viele verloren gegangen sei. Der Premier räumte ein, dass man immer noch nicht wisse, wie lange die Corona-Krise anhalten werde. Das einzige derzeit zur Verfügung stehende Mittel, um die Ausbreitung des Virus zu reduzieren, sei die konsequente Nutzung des Mundnasenschutzes.

Zweifel bei der Opposition
In seiner Rede behauptete der Oppositionschef vom Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) Alexis Tsipras, dass sich die Corona-Situation negativ entwickle. Er wiedersprach den Darlegungen des Gesundheitsministeriums, dass es seit dem Frühling Einstellungen von Krankenhauspersonal gegeben habe. Im Gegenteil gebe es im Juni 2020 im Gesundheitswesen 5.000 weniger Mitarbeiter als es im Vergleichszeitraum 2019 der Fall gewesen sei, so Tsipras. Zusätzlich stellte er fest, dass 75 Prozent der griechischen Schüler in Schulklassen mit über 18 Schülern unterrichtet würden. Dabei warf er der Regierung vor, die Wahrheit zu verkleistern.
Die Vorsitzende der Bewegung der Veränderung Fofi Gennimata warf dem Premierminister vor, an mehreren Veranstaltungen teilgenommen zu haben, ohne den obligatorischen Mundnasenschutz getragen zu haben.
Der Generalsekretär der kommunistischen Partei KKE Dimitris Koutsoumbas vertrat die Ansicht, dass die Regierung die Schutzmaßnahmen „auf die Masse der großen Unternehmen im Tourismus, der Fluggesellschaften und der Reeder zurechtgeschneidert“ habe. Außerdem sprach er von fehlenden Maßnahmen zum Schutz der Angestellten an ihren Arbeitsplätzen sowie der Lehrer und Schüler. Der KP-Chef erklärte ferner, dass die gestiegene Anzahl der Corona-Fälle sehr wohl auch mit der Öffnung des Landes für den Tourismus zusammenhänge.
Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Griechischen Lösung Kyriakos Velopoulos stellte die Ansichten der Virologen in Frage, die die Regierung eingesetzt hat, um die Bevölkerung über das Coronavirus zu informieren. Außerdem verteidigte er Eltern, die am Wochenende gegen die obligatorische Benutzung von Mundnasenschutz in den Schulen demonstriert hatten. Er rief die Regierung dazu auf: „Auf die Eltern zu hören.“
Der Vorsitzende der Partei MeRa25, die von Ex-Finanzminister Janis Varoufakis gegründet worden ist, erinnerte daran, dass auch seine Partei die Regierungsmaßnahmen in der ersten Phase der Pandemie im Frühling unterstützt habe. Kritik übte er aber an den „zu geringen Vorbereitungen“ auf die Zeit danach. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

 

 

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