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Femizid vor einer Polizeistation: „dunkle Seiten der Gesellschaft“ Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand während einer Demonstration vor der Polizeistation von Agii Anargyri. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand während einer Demonstration vor der Polizeistation von Agii Anargyri.

Am Donnerstag (4.4.) findet die Beerdigung der am Montag durch ihren ehemaligen Partner ermordeten 28-jährigen Kyriaki statt.

Der 39-jährige Täter wird am gleichen Tag seine Aussage zu Protokoll geben; derzeit wird er in der psychiatrischen Abteilung eines Athener Krankenhauses behandelt; nach dem Mord an seiner Ex-Partnerin hatte er sich noch am Tatort selbst verletzt.

Beamten-Suspensionen
Die Tat fand nur wenige Meter vor der Polizeistation des westlich von Athen gelegenen Vorortes Agii Anargyri statt. In einer ersten Reaktion wurden die Beamten suspendiert, die am Tag der Ermordung Dienst hatten und die 28-Jähre weggeschickt hatten, statt ihr den von ihr gewünschten Schutz zu gewähren. Einer der betroffenen Beamten war in der Vergangenheit selbst straffällig geworden, u. a. wegen gefälschter Dokumente, die er an Immigranten verkauft haben soll, die illegal weiter nach West- und Nordeuropa reisen wollten. Er war am Tag des Unglücks als Wächter vor der Polizeiwache im Einsatz; erst als der Mord geschehen war, eilte er dazu und stieß mit dem Fuß das Messer aus der Hand des Mörders, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits selbst Verletzungen zugefügt hatte.

Suche nach Streifenwagen
Der Vorfall wird als besonders tragisch empfunden, weil die junge Frau zu diesem Zeitpunkt selbst telefonisch versuchte, die Entsendung eines Streifenwagens zu beantragen, der sie hätte nach Hause bringen können. Laut der aufgezeichneten Telefonprotokolle hatte sie deutlich zu verstehen gegeben, dass Gefahr in Verzug sei, da ihr ehemaliger Partner sie verfolge. Während des Gesprächs mit der Notrufzentrale „100“ stellte der dort zuständige Beamte zynisch fest, dass „ein Streifenwagen kein Taxi“ sei. Auch er wurde vom Dienst suspendiert. Gegenüber den Untersuchungsbehörden erläuterte er, dass er nicht das Gefühlt gehabt habe, dass die anrufende Frau in Gefahr sei.
Untersucht werden soll auch, aus welchem Grund die Polizisten auf der Polizeiwache nicht intern den Antrag für die Entsendung eines Streifenwagens gestellt hatten – bzw. warum das vor der Wache geparkte Polizeifahrzeug nicht dafür eingesetzt wurde.

Verweis auf Personalmangel
Am Freitag wird die Voruntersuchung beendet und die Staatsanwaltschaft wird den Fall übernehmen. Unterdessen haben sich mehrere ehemalige Opfer häuslicher Gewalt an die Medien gewandt. Viele gaben an, dass sie ähnliche Vorfälle bei der Polizei erlebt hätten, als sie dort um Hilfe gebeten hatten. – Für innerfamiliäre Gewalt ist u. a. auch die Hotline 15900 zuständig.
Zu Wort meldete sich auch die Panhellenische Vereinigung der Polizeibeamten. Sie ruft dazu auf, dass hochrangige Verantwortliche in den eigenen Reihen zur Verantwortung gezogen werden müssten. Gleichzeitig wird daran erinnert, dass immer wieder Kollegen in Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommen sind. Letztlich wird auf chronischen Personalmangel hingewiesen: viele Polizeistationen seien lediglich mit einem Drittel der vorgesehenen Belegschaft besetzt.

Reaktionen seitens der Politik
Angesichts dieses jüngsten Femizides wächst auch der Druck auf die Regierung. Vertreter aus ihren Reihen kündigten gegenüber den Medien „größere Veränderungen“ bei der Polizei an. Auch Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou meldete sich zu Wort. Sie konstatierte, dass „uns“ die Ermordung der 28-Jährigen „wütend macht“ und dass dafür auch der Staat Verantwortung trage. Der Fall zeige auf eine „harte und schmerzhafte Art und Weise die dunklen Seiten unserer Gesellschaft“, so die Präsidentin.
Aus den Reihen der größten Oppositionspartei SYRIZA war die Rede von einer „Unzulänglichkeit der Polizei“. Die SYRIZA-Parlamentarierin Olga Gerovassili forderte mehr Polizisten und eine kontinuierliche Weiterbildung für diese. Aus den Reihen der PASOK wurde das Urteil gefällt, dass die Regierung versagt habe, die Bürger zu schützen. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

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