Griechenland nach Ermordung eines linken Aktivisten geschockt Tagesthema

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Griechenland nach Ermordung eines linken Aktivisten geschockt

Ein Großteil der griechischen Öffentlichkeit zeigt sich nach der Ermordung eines 34-jährigen Mannes aus der linken Rapper-Szene schockiert. Er war in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch von einem Anhänger der faschistischen Partei Chryssi Avgi auf offener Straße erstochen worden. Ministerpräsident Antonis Samaras (ND) erklärte per Fernsehbotschaft: „Die Demokratie ist stärker, als es sich ihre Feinde vorstellen.“ Sein stellvertretender Regierungschef, Evangelos Venizelos (PASOK), bezeichnete die Chryssi Avgi in einem Radiointerview als „kriminell“. Das vorhandene Rechtssystem sei jedoch völlig ausreichend, um derartige Taten zu bestrafen.

Staatspräsident Karolos Papoulias forderte die politische Welt des Landes dazu auf, sofort ihrer Verantwortung gerecht zu werden, um den „Hass gegen die Demokratie“ zu bekämpfen. Justizminister Dendias kündigte ein schärferes Durchgreifen an.
Beerdigt wurde der ermordete Pavlos Fyssas am heutigen Vormittag. Anwesend bei der Trauerzeremonie waren hunderte Bürger. Der Mord hat sich in Keratsini, einer westlichen Arbeiter-Vorstadt von Piräus, ereignet. Nach einem Fußballspiel, das im Fernsehen lief, wurde Fyssas und dessen Freundeskreis in ein Wortgefecht mit einer Gruppe aus dem rechtsradikalen Umfeld verwickelt. Zunächst habe es sich lediglich um Meinungsverschiedenheiten zum Thema Sport gehandelt. Anschließend sei das Gespräch zu einem politischen Disput ausgeartet, berichten Augenzeugen. Das Opfer wurde durch zwei Messerstiche in die Brust schwer verletzt und daraufhin in ein Krankenhaus eingeliefert. Kurz vor seinem Tod nannte er dort den Namen seines Mörders. Es handelt sich um einen 45-jährigen aus der rechtsradikalen Szene.
Der Mann hat seine Tat inzwischen gestanden. Die Indizien weisen darauf hin, dass er Mitglied der Chryssi Avgi (CA) ist oder dieser Partei zumindest sehr nahe steht. Fotos, die heute in der Zeitung „Ethnos“ veröffentlicht worden sind, zeigen ihn in einem Camp dieser neofaschistischen Partei. Weiterhin gibt es ein Video, das den Täter bei einer Lebensmittelspende der CA, die unter dem Motto „Nur für Griechen“ lief, zeigt. Die Führung der Neofaschisten selbst bestreitet jeglichen Zusammenhang. Die Polizei hat nun Ermittlungen in lokalen Parteibüros der Chryssi Avgi begonnen, um die Zusammenhänge aufzuklären.
Der 45-jährige Täter erklärte, dass er in Notwehr gehandelt habe. Ärzte, die das Opfer untersuchten, stellten fest, dass der Überfall „professionell“ ausgeführt worden sei. Zudem gibt es Indizien dafür, dass der Täter nicht von Anfang bei der Auseinandersetzung anwesend war. Eine Augenzeugin sagte, er sei angerufen worden, um daraufhin an den Tatort zu eilen. Einige Beobachter vermuten deshalb einen regelrechten „Auftragsmord“.

Kundgebungen nach Mord
Aus Protest gegen diese mörderische Tat fand gestern Abend am Tatort eine antifaschistische Kundgebung statt. Daran haben sich hunderte Menschen beteiligt. Im Umfeld kam es zu Ausschreitungen, es entstand größerer Sachschaden. Mehrere Personen wurden nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verletzt. Ähnliche Proteste haben gestern in Nikäa, ebenfalls in Piräus, sowie vor der Athener Polizeizentrale in der Alexandras Avenue stattgefunden. Insgesamt wurden 130 Personen festgenommen, 34 von ihnen wurden verhaftet. In der Hafenstadt Patras auf der Peloponnes wurden in Rahmen ähnlicher Kundgebungen 28 Personen festgenommen. Selbst in Spanien fand wegen der Ermordung von Pavlos Fyssas eine Protestaktion statt.
Für heute Abend wurde um 18.30 Uhr am Davaki-Platz in Nikäa zu einer weiteren antifaschistischen Protestaktion aufgerufen. Ähnliche Demonstrationen werden heute auch in anderen europäischen Stätten organisiert. So etwa um 19.00 Uhr im Pariser St. Michel-Platz. In Amsterdam wird um 18.30 Uhr am Dam Square gegen die Opfer der Chryssi Avgi sowie speziell gegen die Ermordung von Pavlos Fyssas protestiert. (Griechenland Zeitung / eh, Foto: Eurokinissi)

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