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Flüchtlingsproblematik: Polizeieinsatz in Nordgriechenland – weitere Tragödie in der Ägäis Tagesthema

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Flüchtlingsproblematik: Polizeieinsatz in Nordgriechenland – weitere Tragödie in der Ägäis

Die griechische Polizei hat am Mittwoch die Bahngleise an der Grenze zur FYROM von Wirtschaftsimmigranten geräumt. Damit kann der Eisenbahnverkehr über den Balkan wieder aufgenommen werden. Unterdessen ereignete sich in dieser Nacht in der Ägäis eine weitere Flüchtlingstragödie. Mindestens 12 Menschen kamen ums Leben.

Am Mittwochmorgen ist an der Grenze zur ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien (Uno-Kurzbezeichnung: FYROM) bei Idomeni ein Polizeieinsatz durchgeführt worden. Im Anschluss wurden etwa 1.200 Immigranten in Bussen nach Athen und mit der Bahn nach Thessaloniki gebracht. Dort sollen sie entweder auf ihre Repatriierung warten oder erneut die Möglichkeit erhalten, einen Asylantrag zu stellen. In Athen wurden die Ankömmlinge in der Tae-Kwon-Do-Halle untergebracht.


Die FYROM hatte in den letzten Wochen die Grenze zu Griechenland mit einem Zaun abgesperrt. Nur Flüchtlingen aus Syrien und anderen Kriegs- und Krisenregionen wurde die Weiterreise gestattet. Vermutlichen Wirtschaftsflüchtlingen wurde hingegen der Grenzübertritt verwehrt. An der Großaktion der Polizei waren etwa 400 Ordnungshüter beteiligt. Journalisten wurde der Zutritt zum geräumten Gebiet nicht gestattet. Die Immigranten hatten seit etwa drei Wochen die Bahngleise, die über Griechenland und die FYROM weiter nach Westeuropa führen, verbarrikadiert bzw. besetzt. Dadurch war nicht zuletzt der Güterverkehr, der vom Hafen in Piräus aus Richtung Mittel- und Nordeuropa abgewickelt wird, stark beeinträchtigt. Es entstanden für die Griechische Eisenbahn (OSE) Schäden in Millionenhöhe. Vor allem aber hatten internationale Unternehmen wie etwa Hewlett Packard damit gedroht, künftig eine neue Route für den Transport ihrer Güter zu benutzen, zum Teil wurden schon Ausweichmöglichkeiten geschaffen. Dadurch würden die Pläne Griechenlands, den Hafen von Piräus zum Handelsknotenpunkt zwischen Europa, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer auszubauen, zumindest beeinträchtigt.

Weitere Flüchtlingstragödie in der Ägäis

Unterdessen kam es in dieser Nacht zu einer weiteren Flüchtlingstragödie in der Ägäis. In der Nähe der Insel Farmakonissi kenterte ein Holzboot, das etwa 50 Immigranten aus Afghanistan an Bord hatte. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben. Sechs Kinder, darunter ein Baby, zwei Frauen und vier Männer konnten nur noch tot geborgen werden. 12 weitere Personen werden noch immer in der Gegend nordöstlich der Insel Farmakonissi vermisst. 26 Personen konnten gerettet werden, darunter auch ein zwölfjähriger Junge, der starke Unterkühlungen erlitten hatte.
Seit Anfang des Jahres sind mehr als 500 Flüchtlinge in der Ägäis ertrunken. Darunter auch viele Kinder. Insgesamt haben in diesem Zeitraum rund 650.000 Flüchtlinge die gefährliche Reise über die Türkei nach Griechenland unternommen. Am Mittwoch reisten 1.750 Flüchtlinge von den Inseln Chios und Mytilini weiter nach Piräus. (Griechenland Zeitung/eh)

Unsere Archivaufnahme (© Eurokinissi) entstand Mitte September auf Rhodos. Dorthin wurden damals Überlebende einer weiteren Flüchtlingstragödie gebracht, die sich ebenfalls in der Nähe der Insel Farmakonissi in der südöstlichen Ägäis ereignet hatte.

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