Proteste gegen Kompromiss bei der Lösung der Namensfrage der FYROM Tagesthema

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Unsere Fotos (© Eurokinssi) zeigen Erzbischof Hieronymos während einer Veranstaltung zum Schutz der Umwelt am Dienstag dieser Woche (5.6.). Unsere Fotos (© Eurokinssi) zeigen Erzbischof Hieronymos während einer Veranstaltung zum Schutz der Umwelt am Dienstag dieser Woche (5.6.).

In 24 Städten finden am Mittwoch um 19.30 Uhr im ganzen Land Protestaktionen statt. Gerichtet sind sie gegen die Benutzung des Begriffs „Mazedonien“ (englisch: Macedonia) für die künftige Namensgebung der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien (UNO-Kurzbezeichnung: FYROM).


Die Hauptdemo findet in der nordgriechischen Stadt Pella statt; Geburtsort Alexanders des Großen. Durch seine Eroberungszüge stieg das antike Griechenland um 330 v. Chr. zur Weltmacht auf. Auch die meisten der anderen Protestaktionen werden in der nordgriechischen Region Makedonien durchgeführt. Kurzfristig wurden jedoch auch Proteste in anderen Städten in Mittelgriechenland, etwa in Larissa und Theben, angekündigt. Selbst auf einigen griechischen Inseln wollen die Menschen auf die Straße gehen, so auf Rhodos, Korfu, sowie Chania auf Kreta und Chalkida auf Euböa. Ziel ist es, der Öffentlichkeit in aller Welt klar zu machen, dass Makedonien griechischen Ursprungs ist.
An den Aktionen wollen sich auch Religionsvertreter beteiligen, darunter Metropoliten, aber auch Parlamentarier: Letztere gehören vor allem der konservativen Oppositionspartei Nea Dimokratia und der rechtspopulistischen „Unabhängige Griechen“ an. Hierbei handelt es sich um den kleineren Regierungspartner des Bündnisses der Radikalen Linken (SYRIZA) von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Die Rechtspopulisten folgen der offizielle Richtlinie der Regierung in dieser Frage nicht, vor allem wohl, um bei Wählern aus dem rechtskonservativen Spektrum zu punkten; 2019 ist ein Wahljahr.
Tsipras und sein Außenminister Nikos Kotzias sind unterdessen weiterhin intensiv darum bemüht, einen Kompromiss in der Namensfrage mit dem Nachbarland auszuhandeln.
Nun hat auch der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland Hieronymos seine Position zur Namensfrage dargelegt und versucht, in der Debatte etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. „Es ist nicht einfach, dass wir den Begriff Makedonien verleihen, ihn weggeben“, räumte der orthodoxe Kirchenführer Griechenlands ein. Dennoch sprach er sich gegen die Durchführung von Demonstrationen in dieser Sache aus. Die Verhandlungen mit Skopje liegen dem Erzbischof zufolge in der Verantwortung des Parlaments „das von der Bevölkerung gewählt worden ist“.
Diese Erklärungen dürften den spürbaren Bemühungen der Regierung, einen Durchbruch zu erzielen, entgegen kommen. Gegenwärtig laufen die Verhandlungen zwischen Athen und Skopje auf Hochtouren. Etwas Rückenwind von der griechisch-orthodoxen Kirche kann dabei nichts schaden. Nicht bestätigten Informationen zufolge soll noch bis zum Ende des kommenden Wochenendes ein Kompromiss gefunden werden.  Dies wäre die Voraussetzung, dass dem Land am Vardar Ende Juni bzw. Anfang Juli eine Beitrittsperspektive für EU und NATO offeriert werden kann.

Elisa Hübel

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