Demos in Athen: Finanzkrise und Namensfrage führen Griechen auf die Straßen Tagesthema

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Archivfoto (© Eurokinissi). Im Regen: Demonstration von Rentnern vor dem Arsakion-Megaron in der Panepistimiou-Straße in Athen. Es folgte ein Protestmarsch in Richtung Parlament. Archivfoto (© Eurokinissi). Im Regen: Demonstration von Rentnern vor dem Arsakion-Megaron in der Panepistimiou-Straße in Athen. Es folgte ein Protestmarsch in Richtung Parlament.

Athen findet keine Ruhe. Rentner, Postangestellte und Reinigungskräfte führen am Mittwochvormittag in der griechischen Hauptstadt gleich drei Demonstrationen durch. 

Pensionäre fordern die Rückzahlung von beschnittenen Renten, die ihnen per Gerichtsurteil zugesagt wurden. Sie haben eine Kundgebung auf der Panepistimiou-Straße bis vor das Parlament durchgeführt. Unterdessen gab das Arbeitsministerium Eckdaten über die Höhe der augenblicklichen Renten in Griechenland bekannt. Demnach erhalten 577.754 Rentner Pensionen zwischen 400 und 700 Euro. 764.458 leben hingegen mit Bezügen zwischen 1.000 und 2.000 Euro im Monat. Die Durchschnittsrente beträgt 896,5 Euro monatlich, wenn man Zusatzrenten dazuzählt. 26 % der Rentner sind über 81 Jahre alt, 33 % sind im Alter zwischen 71 und 80 Jahren.

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Unser Foto (© Andreas Dengler / Griechenland Zeitung) ist während der Demonstration der Postangestellten im Athener Zentrum entstanden.

Auch die Angestellten bei der Griechischen Post (ELTA) gehen heute auf die Barrikaden: Sie führen einen 24-stündigen Streik durch. Zudem haben sie einen Protestmarsch im Athener Zentrum bis vor das Finanzministerium organisiert. ELTA ist seit Jahren ein defizitäres staatliches Unternehmen. Schulden an den Stromerzeuger DEI sollen zwar mittlerweile beglichen sein; nun aber stehen Außenstände gegenüber Versicherungskassen an. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es, in den kommenden zwei Jahren 93 Millionen Euro einzusparen. Zu diesem Zweck müssen bis zum Sommer knapp 2.000 Personen ihren Arbeitsplatz bei der Post verlassen. Die Mitarbeiter weisen mit ihrem Protest vor allem darauf hin, dass ihnen die Gehälter ab 2010, als in Griechenland eine akute Finanz- und Wirtschaftskrise ausgebrochen ist, um insgesamt 40 % gekürzt worden sind.

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Unser Foto (© Andreas Dengler / Griechenland Zeitung) ist während der Demonstration der Postangestellten im Athener Zentrum entstanden.

Nicht zuletzt haben heute auch Reinigungskräfte, die bei Gemeinden angestellt sind, ihre Arbeit von 7 bis 11 Uhr ruhen lassen. Sie fordern 8.000 Einstellungen.
Am morgigen Donnerstag (24.1.) wollen auch Mitglieder von panmakedonischen Gemeinden vor dem Parlament in Athen demonstrieren. Sie versammeln sich dort um 19 Uhr. Damit wollen sie ihren Protest angesichts der am Donnerstag anstehenden Abstimmung über die Ratifizierung eines Vertrages zur Lösung der Namensfrage der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien in „Republik Nordmazedonien“ zum Ausdruck bringen. Sie sprechen von einem „Verbrechen, das im Parlament begangen wird“. Rückendeckung erhalten sie von Landwirten Nordgriechenlands; vor allem aus der Region Makedonien. Diese wollen mit ihren Traktoren den Zugang zu Zollstationen blockieren. (Griechenland Zeitung / eh)

 

 

 

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