Politische Kontroverse über das Athener „Montmartre“

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand am Donnerstag (11.4.) während der Räumung von besetzen Gebäuden in Exarchia durch die Polizei. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) entstand am Donnerstag (11.4.) während der Räumung von besetzen Gebäuden in Exarchia durch die Polizei.

Im Athener Stadtteil Exarchia kommt es in diesen Tagen vermehrt zu Scharmützeln zwischen vermummten Chaoten und der Polizei.

Unmittelbarer Anlass sind Zwangsräumungen von zwei vor allem von Autonomen besetzten Häusern am Donnerstag vergangener Woche durch die Ordnungshüter. Auseinandersetzungen fanden am Wochenende rund um das Gebäude des Athener Polytechnikums statt, das ganz in der Nähe des Archäologischen Museums liegt. Die Chaoten haben Brandflaschen („Molotow-Cocktails“) auf die Ordnungshüter geworfen; letztere reagierten mit Tränengas. Die Polizei sah sich am Samstag dazu veranlasst, die zentrale Patission- bis hin zur Alexandras-Avenue aus vorbeugenden Gründen für den Verkehr zu sperren.
Bereits Anfang des Monats hatte Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia (ND) von einem „Gebiet“ gesprochen, das „unbetretbar“ sei, einem „Abaton“. Ausschlaggebend für diesen Kommentar war eine unglückliche Operation der Hafenpolizei von Piräus in Exarchia, die zur Verletzung von zwei Beamten führte. Seine Vorwürfe hatte der Konservative am Freitag im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel „Griechenland 2021“ wiederholt. Wenn er nach den Wahlen die Regierung übernehmen sollte, werde die öffentliche Ordnung wieder hergestellt.
Zudem war aus den Reihen der ND die Rede von einer „Grenzlinie des Staates von Exarchia“. Hier gebe es „Anarcho-Touristen“, die gemeinsame Aktionen mit griechischen Kameraden durchführen würden. Die Einwohner Exarchias seien „Geiseln eines nicht offiziell erklärten Krieges“, die ohne staatlichen Schutz leben müssten.
Die Feststellung vom „Abaton“ in Exarchia wurde von der Staatssekretärin im Bürgerschutzministerium Katerina Papakosta entschieden zurückgewiesen. Sie verglich diesen Athener Stadtteil mit dem Pariser Montmartre, das im 19. Jahrhundert als eine künstlerische und literarische Hochburg galt. Papakosta stellte fest, dass Exarchia ein „Zentrum von Kunst und Kultur“ sei und keinesfalls eine „schwer geprüfte Gegend“, die angeblich gar vom Staat verlassen worden sei. Damit kritisierte sie auch Feststellungen anderer Oppositionspolitiker, die ein Bild der Unsicherheit im Athener Zentrum vermitteln würden.
Aus den Reihen der sozialistischen Bewegung der Veränderung (KinAl) konterte man, dass Frau Papakosta „fern der Realität“ lebe. (Griechenland Zeitung/eh)

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