Entscheidender Meilenstein für Gaspipeline zwischen Israel, Zypern und Griechenland Tagesthema

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Unsere Fotos (© Eurokinissi) entstanden am Donnerstag (2.1.) im Zappion-Palais in Athen. Unsere Fotos (© Eurokinissi) entstanden am Donnerstag (2.1.) im Zappion-Palais in Athen.

Am Donnerstag (2.1.) haben die Energieminister Griechenlands, Zyperns und Israels ein Abkommen unterzeichnet, das den Bau einer Gaspipeline vorsieht, die Erdgas aus dem Nahen Osten nach Europa transportieren soll. Zu einem späteren Zeitpunkt will sich auch Italien an dem Projekt beteiligen.

Nun ist sie in Sack und Tüten: eine Vereinbarung, die die Energielandschaft im östlichen Mittelmeer und vor allem Europas verändern soll. Am Donnerstag unterzeichneten die Energieminister Griechenlands, Zyperns und Israels im Athener Zappion-Palais in Anwesenheit der drei Staats- bzw. Regierungschefs ein Abkommen für den Bau der Gaspipeline EastMed. Diese soll Erdgas vom Nahen Osten über Kreta, Zypern, die Peloponnes, Westgriechenland und weiter über die Adria nach Westeuropa transportieren.

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3.000 Meter unter dem Meer
Die Kosten werden insgesamt auf 6,1 Milliarden Euro veranschlagt. Allein für den zum größten Teil unterseeisch verlaufenden Weg von Israel über Zypern nach Griechenland werden 5,2 Milliarden Euro fällig. Die Pipeline soll nach Fertigstellung mehr als 30 griechische Städte mit Erdgas versorgen, sie wird knapp 1.900 Kilometer lang sein und bis in eine Tiefe von 3.000 Metern unter der Meeresoberfläche verlegt. Fertig gestellt sein soll sie 2025.
Italien möchte zu einem späteren Zeitpunkt dem Pipeline-Vertrag beitreten. Deshalb war auch der italienische Botschafter in Athen Efisio Luigi Marras am Donnerstag bei der Vereinbarung zwischen Griechenland, Zypern und Israel im hauptstädtischen Zappion-Palais zugegen. Dies wurde als eine symbolische Form der Zustimmung für dieses ehrgeizige Energieprojekt interpretiert.

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Unabhängig von russischer Energie
Schätzungen zufolge sollen nach Inbetriebnahme der EastMed die Energiekosten vor allem für Städte auf Kreta, auf der Peloponnes und in Westgriechenland um bis zu 40 Prozent sinken. In erster Linie aber soll Europa dadurch unabhängiger von russischen Energieversorgern werden.
Die EastMed genießt sowohl die Unterstützung Brüssels als auch Washingtons. Um die entsprechenden Kontakte weiter zu vertiefen, dreht sich im Hintergrund das Karussell der Diplomatie.
Am 7. Januar reist der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis in die USA, wo er sich mit Präsident Donald Trump treffen wird. Ganz oben auf der Gesprächsliste soll bei dieser Unterredung der Bau der EastMed stehen; angesprochen werden sollen aber auch militärische Fragen. Ende des Monats wird sich Mitsotakis im Rahmen einer Reise nach Paris auch mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron beraten. Am morgigen Samstag (4.1.) reist der griechische Außenminister Nikos Dendias zu einem offiziellen Besuch nach Kairo, auch dort wird es um das Pipeline-Projekt gehen. Unterredungen führt er dabei mit seinen Amtskollegen aus Zypern, Ägypten und Frankreich.

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Gereizte Reaktionen in Ankara
Der Bau der EastMed ist allerdings der Türkei ein Dorn im Auge. Ankara, das selbst die Energielandschaft in der Region dominieren möchte, ist an diesem Projekt nicht beteiligt. Offenbar in einer ersten Reaktion auf die Vertragsunterzeichnung in Athen überflogen am Donnerstag türkische Kampfjets des Typs F-16 sechs Mal die griechische Insel Inousses, nordöstlich von Chios; der griechische Luftraum wurde 15 Mal verletzt. Vier der Kampfjets aus dem Nachbarland waren bewaffnet. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay sprach in einem Interview von einem „Spiel“ gegen die Türkei; derartige Pläne werden man vereiteln, so Oktay.
Ihrerseits zeigt die griechische Marine Präsenz in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns, wo türkische Forschungsschiffe illegal nach fossilen Brennstoffen suchen.

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Proteste gegen das Projekt
Um die Gemüter zu glätten, unterstrich Mitsotakis am Donnerstag im Zappion-Palais: „Diese trilaterale Kooperation richtet sich gegen niemanden.“ Zypernpräsident Nikos Anastasiadis fügte hinzu, dass jedes Land willkommen sei, wenn es sich an das internationale Recht halte. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte: „Wir arbeiten für das Wohl unserer Völker“, dabei mache man gegen niemanden Front.
Doch es gibt nicht nur Befürworter des Projektes. Am Donnerstagabend haben Gegner der EastMed vor der Israelischen Botschaft demonstriert. Gemeinsam mit in Athen lebenden Palästinensern protestierten sie gegen „die Stärkung der Position der USA und Israels in der Region“. Auch Umweltaktivisten haben starke Bedenken angemeldet und waren vor einem möglichen „Unfall“. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

 

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