Gedenken an Studentenaufstand mit Tränengas und Polizeigewalt Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Dienstag (17.11.) in der Panepistimiou-Avenue. Unser Foto (© Eurokinissi) entstand am Dienstag (17.11.) in der Panepistimiou-Avenue.

Der 47. Jahrestag des Gedenkens an den Athener Studentenaufstand am 17. November 1973 war von heftigen politischen Kontroversen begleitet. Kurz zuvor hatte die Polizei ein Versammlungsverbot verhängt, dem sich linke Parteien widersetzten.

Sowohl das Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) als auch MeRa25 führten Gedenkveranstaltungen durch. Mitglieder der kommunistischen KKE hatten vor der US-Botschaft in Athen eine Demonstration unter Einhaltung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus organisiert. Später versammelten sich an der Panepistimiou-Avenue in der Nähe des Parlaments rund 1.500 Demonstranten, um einen weiteren Protestmarsch durchzuführen. Auch hier seien der vorgesehenen Sicherheitsabstände eingehalten worden, teilten die Veranstalter mit. Allerdings schritten in diesem Fall die Einsatzkräfte der Polizei ein, es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten. Seitens der Veranstalter wurde u. a. beklagt, dass dabei von den Ordnungshütern vor allem auch die Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus vernachlässigt worden seien.
Offiziellen Angaben waren im Athener Zentrum 5.000 Polizisten im Einsatz; von der Luft aus wurden sie mit Aufklärungsdrohnen unterstützt. Am Nachmittag kam es zu Ausschreitungen zwischen Mitgliedern der autonomen Szene und der Bereitschaftspolizei. Letztere setzte Tränengas ein. Große Teile des Straßennetzes der griechischen Hauptstadt waren für den Verkehr gesperrt; mehrere U-Bahnstationen hatten die Ein- und Ausgänge geschlossen. Ähnliche Demonstrationen wurden auch in Thessaloniki, Patras, Ioannina und anderen größeren Städten des Landes durchgeführt. In Athen wurden 78 Personen festgenommen, in Thessaloniki 28 und in Patras 27.
Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou, die am Morgen einen Kranz im Gedenken an die Opfer des Studentenaufstandes des 17. November 1973 niederlegte, sprach „von kritischen Stunden“, in denen „das nationale Interesse, die Solidarität und die Erhaltung des sozialen Zusammenhaltes Vorrang“ habe. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis gab zu bedenken, dass man in diesem Jahr auch die beiden Nationalfeiertage nicht mit Paraden und Märschen feiern konnte, wie das normalerweise üblich sei. Er stellte fest, dass die Freiheit mit Verantwortung einhergehen müsse.
Angesichts der Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Ordnungshütern kam es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Parlamentsparteien. Die regierende Nea Dimokratia stellte fest, dass SYRIZA, KKE und MeRA25 die Chance gehabt hätten, unter Beweis zu stellen, dass ihnen der Schutz der öffentlichen Gesundheit am wichtigsten sei. Aus parteipolitischem Kalkül hätten sie hingegen eine günstige Gelegenheit erkannt, um gegen die Regierungspolitik Front zu machen. Das einzige, was sie dabei erreicht hätten, sei aber eine Front gegenüber der Gesellschaft. SYRIZA reagierte darauf mit den Worten, dass die Regierung zu einem Zeitpunkt, wo die Gesellschaft zum Schutz des Lebens und zur Einrichtung von mehr Intensivstationen aufrufe, lediglich mit dem Einsatz der Bereitschaftspolizei reagiert habe. Scharf kritisiert wurde das Vorgehen der Polizei auch von der KKE und MeRA25. (Griechenland Zeitung / eh)

 

 

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