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Gravierende Probleme in Griechenlands staatlichen Krankenhäusern Tagesthema

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Unser Foto (© Eurokinissi) entstand während einer Demonstration von Krankenhauspersonal.  Unser Foto (© Eurokinissi) entstand während einer Demonstration von Krankenhauspersonal. 

Gegen „extrem schlechte Bedingungen“ im öffentlichen Gesundheitswesen hat in dieser Woche Krankenhauspersonal in Nordgriechenland demonstriert. Das Gesundheitsministerium sah sich dazu gezwungen, die Leitung der psychiatrischen Anstalt eines Athener Krankenhauses zu entlassen. In der Toilette eines Krankenhauses auf Naxos brachte eine 13-Jährige unerwartet ein Kind zur Welt; der behandelnde Arzt hatte irrtümlich Blähungen vermutet.

Die Situation in staatlichen Krankenhäusern Griechenlands ist alles andere als rosig. Am Mittwoch (11.10.) hat die Vereinigung der Krankenhausärzte von Athen und Piräus den gewaltsamen Angriff auf eine Kinderchirurgin im Athener Krankenhaus Agia Sofia entschieden verurteilt. Angreifer waren Familienmitglieder eines Patienten. In einem Brief an die Krankenhauszentrale wird die Übernahme der juristischen Verteidigung der betroffenen Ärztin gefordert. Außerdem wird dazu aufgerufen, für einen reibungslosen Ablauf im Krankenhaus zu sorgen. Die Mitglieder der Vereinigung der Krankenhausärzte erklären, dass Phänomene der Gewalt in den griechischen Spitälern „dramatisch“ zugenommen hätten. Nicht zuletzt fordern sie auch Neueinstellungen von Ärzten, Krankenschwestern sowie von Sicherheitspersonal, um künftig derartige Vorfälle zu vermeiden.

Stärkung privater Kliniken

Die Föderation der Vereinigungen der Krankenhausärzte Griechenlands hat Anfang der Woche im nordgriechischen Edessa eine Kundgebung durchgeführt. Gefordert wurde konkret die Stärkung staatlicher Gesundheitseinrichtungen. Demnach seien zwischen 55 bis 65 % der betreffenden Stellen in der Region nicht besetzt; Patienten müssten sich somit an private Gesundheitsunternehmen wenden. Am Protest hat sich auch die Vereinigung der Krebskranken von Edessa beteiligt.
Unterdessen wurde in der vorigen Woche die Leitung der psychiatrischen Klinik des Athener Krankenhauses Agia Olga vom Dienst suspendiert. Eine entsprechende Entscheidung hatte Gesundheitsminister Michalis Chryssochoidis getroffen. Zuvor gab es Beschwerden wegen der schlechten Wartung des Gebäudes. Die Toiletten seien extrem schmutzig und von der Decke tropfe Wasser, so die Vorwürfe, die offenbar nicht unbegründet waren. Der Vertreter des Personals erklärte in den Medien, dass in dem Gebäude seit 1999 keine Wartungsarbeiten mehr durchgeführt worden seien.
Aus dem Gesundheitsministerium wurde bekannt, dass demnächst bis zu einer Milliarde Euro für die Modernisierung der Infrastruktur der griechischen Krankenhäuser ausgegeben werde; für psychiatrische Kliniken seien dabei 3,5 Millionen Euro vorgesehen.
Aus den Reihen der Oppositionspartei SYRIZA wurde kritisiert, dass die Verantwortlichen in den Krankenhäusern von der Regierung eingestellt worden seien. Die Rede ist von einer „kriminellen Politik zu Lasten der öffentlichen Gesundheit“.

Ausnahmefall auf Naxos

Für Schlagzeilen in den Medien sorgte auch eine 13-jährige Schülerin, die in der vorigen Woche auf der Insel Naxos unter bemerkenswerten Umständen ein Kind zur Welt gebracht hat. Von der Schwangerschaft des Mädchens hatte niemand Kenntnis. Wegen starker Bauchschmerzen hatte sie ein Krankenhaus besucht. Der behandelnde Kinderarzt tippte auf Blähungen und verschrieb dem Mädchen Abführmittel. Anschließend brachte die 13-Jährige auf der Toilette des Krankenhauses ein gesundes Kind zur Welt. Da dort kein Frauenarzt zur Verfügung stand, musste die Mutter mit ihrem Baby auf die benachbarte Insel Syros gebracht werden. Die Eltern der 13-Jährigen erklärten, dass sie keinerlei Verdacht auf eine Schwangerschaft gehabt hätten, ihr Kind habe lediglich leicht an Gewicht zugelegt.

(Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)

 

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