Die konservative Nea Dimokratia bleibt einer aktuellen Umfrage zufolge mit 26,1 % klar die stärkste Kraft in Griechenland. Dahinter folgen eine neue Partei des Linkspolitikers und ehemaligen Regierungschefs Alexis Tsipras sowie die sozialistische PASOK. Für gewisse Unwägbarkeiten sorgt u. a. eine hohe Zahl Unentschlossener.
Die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) liegt nach wie vor an erster Stelle bei der Wählerpräferenz. Würden zum gegenwärtigen Zeitpunkt Parlamentswahlen stattfinden, käme sie auf 26,1 % der Stimmen. Erstellt wurde diese aktuelle Erhebung vom Meinungsforschungsinstitut Interview für das Nachrichtenportal politic.gr. Eine Überraschung bietet der frühere Regierungschef Alexis Tsipras, der einst auch Vorsitzender des Bündnisses der Radikalen Linken war: er käme auf 12,8 %. Dicht gefolgt wird seine neue Partei, die am Dienstagabend (26.5.) vorgestellt wurde von der größten Oppositionspartei, der sozialdemokratischen PASOK, die auf 12,3 % käme. Auf Platz vier platziert sich mit 7,5 % die bereits in der vorigen Woche gegründete Partei von Maria Karystianou „Hoffnung für die Demokratie“. Es folgen die rechtspopulistische Griechische Lösung (5,8 %), die kommunistische KKE (5 %), die nationalistisch-konservativ geprägte Foni Logikis (3,9 %) und die eher linkspopulistisch orientierte Plefsi Eleftherias (3,2 %). Den Einzug ins Parlament würden dieser Umfrage zufolge die Parteien MeRa25 (2,8 %), Demokraten (2,5 %) und Niki (0,6 %) nicht schaffen. Für ein besonderes Ausrufezeichen sorgte SYRIZA, derzeit drittstärkste Kraft im Parlament, mit der Tsipras zwischen 2015 und 2019 regiert hatte. Diese Linkspartei würde lediglich 0,5 % der Wählerstimmen erhalten. Das gleiche gilt für die Nea Aristera, die sich von SYRIZA abgespalten hatte. Unentschlossen, was sie bei einem bevorstehenden Urnengang wählen wollen, sind 12,7 % der Befragten. 3,8 % würden eine andere als die genannten Parteien wählen.
44 % der Umfrageteilnehmer schätzen ein, dass die ND auch einen nächsten Urnengang gewinnen und somit eine dritte Legislaturperiode erhalten werde.
Mitsotakis bleibt Favorit
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Frage, welchem Parteichef die Bürger die Führung des Landes am ehesten zutrauen. Premierminister Kyriakos Mitsotakis liegt mit 29,9 % deutlich vorne. Auf Platz zwei folgt die Antwort: „keinem“ mit 15,2 %. Dahinter liegen Alexis Tsipras mit 14,2 %, Nikos Androulakis mit 10,1 %, Kyriakos Velopoulos mit 5,6 % sowie Maria Karystianou mit 5,5 %.
Vor allem im Bereich äußere Sicherheit kann ND- und Regierungschef Mitsotakis gut punkten. Auf die Frage, welchen Parteichef man – bei einem möglichen Angriff um 3 Uhr morgens, bei dem das „Rote Telefon“ im Büro des Ministerpräsidenten klingelt – gern an der Regierungsspitze hätte, nannten 34 % der Befragten Mitsotakis. In dieser Frage folgten mit jeweils 14 % bzw. 13 % Tsipras und Androulakis.
Was eine mögliche Parteigründung durch den ehemaligen ND-Regierungschef Antonis Samaras anbetrifft, so antworteten 62 % der Befragten, dass er die Politik hinter sich lassen sollte. 27 % befürworten eine neue Samaras-Partei und 7 % hätten es gerne, wenn er in die ND zurückkehren würde.
Durchgeführt wurde diese Erhebung im Zeitraum zwischen dem 21. und dem 25. Mai. Befragt wurden 3.178 Personen landesweit in Alter von über 17 Jahren. (Griechenland Zeitung / Elisa Hübel)