Griechenland unter Wasser – Hauptstadt Athen besonders betroffen Tagesthema

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Griechenland unter Wasser – Hauptstadt Athen besonders betroffen

In Piräus und einigen westlichen und nördlichen Vororten Athens kam es am Freitag zu außerordentlich starken Regenfällen, wodurch viele Straßen unter Wasser standen. Innerhalb von etwa anderthalb Stunden fielen 140 mm Niederschlag. Zahlreiche Kellerwohnungen wurden überflutet, davon betroffen war auch die Tiefgarage eines Supermarktes. Einige Straßen wurden zu reißenden Flüssen und rissen zahlreiche Fahrzeuge mit sich fort.

In mindestens 850 Fällen musste die Feuerwehr gerufen werden. Kurzzeitig war auch ein Schulbus mit etwa 20 Kindern von den Wassermassen bedroht. In einigen Regionen des Landes wurde ein Auslaufverbot für Schiffe verhängt.
Besonders betroffen vom Unwetter waren die westlichen Athener Vororte Peristeri, Ilion, Perama, Menidi, Ägaleo, Agiioi Anargyroi, Nikäa und Kamatero sowie die Hafenstadt Piräus. In der Gemeinde Ilion mussten mindestens zehn Familien in Notunterkünften untergebracht werden. In Acharnes, nördlich der Hauptstadt, wurde der Notstand ausgerufen: Ganze Straßenabschnitte waren von den Wassermassen weggespült worden. Der Bürgermeister von Peristeri, eine der größten Gemeinden Attikas, klagte im Radio: „Ein Meer wurde über unsere Stadt geschüttet.“ Der Bahnverkehr zwischen Piräus und Renti, sowie die Schmalspurbahn zwischen Diakofto und Kalavryta auf der Peloponnes musste eingestellt werden.  

Entschädigungen für Opfer des Unwetters
Ministerpräsident Antonis Samaras, der zu diesem Zeitpunkt noch zum EU-Gipfeltreffen in Brüssel weilte, eilte umgehend nach Athen zurück und berief eine Beratung des Katastrophenschutzes ein. Anschließend kündigte er Entschädigungszahlungen für die Opfer des Unwetters an. Bereits am Samstag wurde mit der Auflistung der Schäden begonnen. Dieser Prozess wird voraussichtlich bis mindestens Montag andauern.
Die Opposition des Landes sprach einhellig davon, dass der Staatsapparat entscheidende Mängel aufweise. Die Infrastruktur müsse verbessert und den zuständigen Behörden müsse mehr Personal zur Verfügung gestellt werden, hieß es.
Die Präfektin von Attika, Rena Dourou, die der größten Oppositionspartei des Landes SYRIZA angehört, reklamierte, dass sie zur Beratung des Katastrophenschutzes nicht eingeladen wurde.

Schäden auch in anderen Landesteilen
Die Universität Athen hatte bereits vor vier Jahren eine Studie veröffentlicht, in der vor schweren Überschwemmungen gewarnt worden ist. Hauptverantwortlich dafür seien der ungeplante Städtebau und vor allem die Verschüttung bzw. Bebauung zahlreicher Regenläufe und Winterflüsse.
Unter Wasser standen auch andere Regionen des Landes, so etwa Rethymnon auf Kreta. Dort waren zahlreiche Straßenabschnitte aufgrund der großen Wassermengen nicht mehr befahrbar. Auch in Nordgriechenland sorgten die Niederschläge für Schäden. Auf den Bergen des Epirus im Nordwesten des Landes fielen bis zu 20 Zentimeter Schnee. Dort mussten zwei Schafsherden evakuiert werden, die im Gebirge vom Schnee eingeschlossen worden waren.
Auch in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki haben starke Winde und Regengüsse Sachschäden angerichtet: Bäume und Strommasten sind umgestürzt. Teilweise kam es zu Stromabschaltungen.
Den Metorologen zufolge trägt das Sturmtief „Gonzalo“ Schuld an der Schlechtwettersituation in Griechenland und anderen Ländern Europas, vor allem im östlichen Mittelmeer und auf dem Balkan.

Elisa Hübel

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