Parthenonskulpturen: Rückgabeforderungen gewinnen an Dynamik Tagesthema

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Unser Foto (©yppo) zeigt Mitglieder des internationalen Unterstützerkomitees bei einem Treffen im Akropolismuseum 2019. Unser Foto (©yppo) zeigt Mitglieder des internationalen Unterstützerkomitees bei einem Treffen im Akropolismuseum 2019.

Das griechische Kulturministerium und die internationalen Komitees für die Rückgabe der Parthenonskulpturen nutzten die weltweite Aufmerksamkeit, die die Öffnung der archäologischen Stätten und vor allem der Akropolis in der vergangenen Woche nach der Corona-Zwangspause erfuhr, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

In einer Ankündigung sprach das Kulturministerium von einer „Welle des Neu-Philhellenismus“ im Vorfeld der Zweihundertjahrfeiern zum griechischen Freiheitskampf 2021, die es zu nutzen gelte, um die antiken Kunstschätze aus dem British Museum an ihren Ursprungsort zurückzuholen. In einer Fernsehansprache am Samstag bezeichnete Kulturministerin Lina Mendoni die Ausstellung des Parthenonfrieses und anderer Meisterwerke im British Museum als „Ergebnis eines Diebstahls“. Griechenland werde deswegen niemals irgendwelche Besitzrechte des Londoner Museums anerkennen, und man wisse die weltweite öffentliche Meinung hinter sich, wie die von den Unterstützerkomitees gesammelten Daten zeigten. Das British Museum müsse sich fragen lassen, ob es ein Museum sein will, das heutigen Ansprüchen genügt, oder ein Kolonialmuseum, das Schätze des Weltkulturerbes gefangen hält, die ihm nicht gehören. In der Mitteilung des Ministeriums vom Donnerstag hieß es unter anderem, die internationalen Unterstützerkomitees würden für das kommende Revolutionsjubiläum konzertierte Aktionen und Interventionen beim British Museum vorschlagen. Der Tenor der Schreiben an das Ministerium aus Anlass der Öffnung der Akropolis nach den Covid-Maßnahmen laute, „ohne dieses höchste Symbol der Zivilisation, den Parthenon, ist die westliche Kultur nicht denkbar, und dieses Symbol hat es verdient, mit seinen exilierten Skulpturen wiedervereinigt zu werden“. Das Ministerium zitiert in seiner Mitteilung die Vorsitzenden zahlreicher solcher Ausschüsse, darunter des österreichischen und des schweizerischen, sowie des Dachverbandes IARPS, in dem 21 nationale Komitees organisiert sind. Sie alle unterstützen eine Forderung, die fast so alt ist wie der griechische Staat. Bereits in den 1840er Jahren forderte Griechenland erstmals von London die Rückgabe der einzigartigen Kunstwerke, die der britische Botschafter in Konstantinopel, Lord Elgin, ab 1801 von der Akropolis entfernt und nach London verschifft hatte, wo er sie 1816 an das British Museum verkaufte. Der Kunstraub wurde schon damals, unter anderem von Lord Byron, als Untat bezeichnet. Tatsächlich hatte Elgin nur eine Genehmigung zum Abnehmen von Gipsabgüssen und zur Zeichnung der Monumente. Er selbst argumentierte damit, dass die klassischen Ruinen bei einem künftigen Krieg völlig zerstört werden könnten – die Akropolis war damals noch die Zitadelle der Stadt, und der Parthenon war tatsächlich 1687 bei einer Beschießung durch die Venezianer in die Luft geflogen.
Die Verteidigungslinie des British Museum lautete über Jahrzehnte, dass es in Athen kein geeignetes Haus gebe. Sie wurde 2009 durch den Bau des neuen Akropolismuseums ein für allemal entkräftet. Seitdem verschanzt sich London hinter juristischen Argumenten, wie dem Fehlen internationaler Abkommen zum Schutz von Kulturgütern oder eines griechischen Staates vor 220 Jahren. (GZak)

 

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