Die Venezianer und der Parthenon

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Foto © Griechenland Zeitung / Eleni Kougionis Foto © Griechenland Zeitung / Eleni Kougionis

Vor 333 Jahren erlebte der Parthenon, eines der Sinnbilder der griechischen Klassik schlechthin, den schwärzesten Tag seiner Geschichte. In der Vollmondnacht vom 26. auf den 27. September 1687 traf ein venezianisches Geschoss den Bau, in dem die Türken zuvor ein Munitionsdepot eingerichtet hatten. Die Folge war eine verheerende Explosion, die den im 5. Jahrhundert v. Chr. errichteten Tempel zur Ruine werden ließ.

Bis dahin war er in seiner Substanz trotz mancher Beschädigungen und Veränderungen, wie beispielsweise der Umwandlung zunächst in eine Kirche, später in eine Moschee, letztlich weitgehend intakt geblieben. Der Angriff auf die Akropolis erfolgte, nachdem sich 1684 – im Jahr nach der Abwehr der zweiten Belagerung Wiens durch die Osmanen – Österreich, Polen und Venedig gemeinsam mit dem Papst zur „Heiligen Liga“ gegen das Osmanische Reich zusammengeschlossen hatten. Die Venezianer witterten die Chance, die ehemaligen Besitzungen in Griechenland, die in der Zwischenzeit an die Türken gefallen waren, zurückzuerobern. Zum Oberbefehlshaber der venezianischen Streitkräfte wurde Francesco Morosini ernannt. Nachdem dieser zunächst Preveza und Lefkada erobert hatte, wandte er sich der Peloponnes zu. Mit einem Söldnerheer unter dem Kommando des Grafen Otto Wilhelm von Königsmarck konnte die Halbinsel fast komplett in venezianische Hand gebracht werden. Morosini wurde daraufhin von seiner Heimatstadt mit dem Ehrentitel „Peloponnesiacus“ geehrt. Als er sich im September 1687 schließlich gegen Athen wandte, bezog Königsmarck mit seinen Truppen insbesondere auf den Höhen westlich der Akropolis Stellung, um die Burg von hier anzugreifen. Beim folgenden Beschuss des Parthenon wusste man von dem Munitionsdepot in dessen Innerem, und es war den Belagerern auch bekannt, dass sich viele Menschen in den Schutz des Baus geflüchtet hatten. Dem militärischen Erfolg aber wurde Vorrang eingeräumt vor dem Erhalt des Denkmals und der Rücksicht auf die Menschenleben. Behaupten konnten die Venezianer sich im eroberten Athen anschließend dann freilich nur wenige Monate.

Jens Rohmann

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