Gereizte Stimmung bei Griechenlands Konservativen Tagesthema

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Gereizte Stimmung bei Griechenlands Konservativen

In den Reihen der größten Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) kriselt es. Grund ist das Scheitern der Wahl eines neuen Parteichefs am Sonntag. Wegen einer technischen Panne fiel diese ins Wasser. Der bisherige Interimschef Evangelos Meimarakis nahm am Dienstag nach anfänglichem Zögern seinen Hut.

Sein Nachfolger wurde Jannis Plakiotakis. Selbst dieses Verfahren gestaltete sich schwierig und ist innerhalb der ND nicht unumstritten: Zunächst hatte Meimarakis seinen Nachfolger zum Vizeparteiführer ernannt. Dann trat er zurück und machte seinen Posten für Plakiotakis frei.
Meimarakis selbst will trotz des Fiaskos am Sonntag weiterhin für den Parteivorsitz kandidieren. Der neue Urnengang soll – unbestätigten Medienberichten zufolge – am 13. Dezember stattfinden. Weitere Anwärter auf den Vorsitz sind die früheren Minister Kyriakos Mitsotakis und Adonis Georgiadis sowie der Regionalgouverneur von Zentralmakedonien Apostolos Tzitzikostas.
Für die schlechte Stimmung bei den Konservativen spricht auch die Tatsache, dass Meimarakis bei der Sitzung der Parlamentsfraktion am Dienstag nicht erschienen ist. Seinem Beispiel gefolgt sind auch die beiden früheren Ministerpräsidenten Antonis Samaras und Kostas Karamanlis. Zuvor hatte der bisherige Parteichef einen Teil der Schuld am gescheiterten Urnengang Samaras in die Schuhe geschoben. Er erklärte, dass jene Firma, die das elektronische System für den Urnengang zur Verfügung stellte, von Samaras vorgeschlagen worden sei. Das Versagen dieses Systems war dafür verantwortlich, dass die Wahl abgebrochen werden musste.
Die frühere Ministerin Dora Bakogianni schloss in einem Fernsehgespräch eine Sabotage des Urnengangs am vorigen Sonntag nicht aus. Sie sprach von politischen und wirtschaftlichen Interessen, die der ND Schaden zufügen wollten. Sie selbst hatte 2009 für den Vorsitz der Partei kandidiert. Indirekt brachte sie auch die Möglichkeit zum Ausdruck, dass es damals zu Wahlfälschungen gekommen sein könnte. Ihr Gegenkandidat, der damals als Sieger aus diesem Rennen hervor ging, war Antonis Samaras. Nachdem er die Parlamentswahlen im Jahr 2012 für sich entscheiden konnte, regierte er das Land bis Ende Januar. Abgelöst wurde er vom jetzigen Premier Alexis Tsipras vom Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA).

Elisa Hübel

Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt den neuen Interimsvorsitzenden der Nea Dimokratia Jannis Plakiotakis.

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