Marxistischer Ökonom ist neuer Chef des „Greek Festivals“ Tagesthema

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Marxistischer Ökonom ist neuer Chef des „Greek Festivals“

Der Wirtschaftswissenschaftler Jannis Milios wurde zum neuen Präsidenten des „Greek Festivals“ bzw. des Festivals von Athen und Epidaurus ernannt. Das Festival findet seit 1955 jeden Sommer zwischen Mai und Oktober in Athen sowie im Antiken Theater von Epidaurus auf der Peloponnes statt. Es beinhaltet überwiegend Konzerte, Theatervorführungen, Performances sowie Ausstellungen.
Milios ist bekennender Marxist und war vor dem Wahlsieg des Bündnisses der Radikalen Linken (SYRIZA) im Januar 2015 der Verantwortliche für Finanzpolitik dieser Partei. Kurz vor dem Wahlsieg von SYRIZA gingen viele Beobachter davon aus, dass er das Ressort des Finanzministers übernehmen würde; doch auf diesen Posten kam schließlich Janis Varoufakis.


Dass gerade der Ökonomieprofessor der Athener TU (Polytechnio) für den Posten des Präsidenten des „Greek Festivals“ ausgewählt worden ist, erstaunt viele; er hat kurz nach Regierungsübernahme 2015 den von SYRIZA eingeschlagenen Regierungskurs heftig kritisiert. Auf seiner Facebook-Seite erklärte er nun seine Entscheidung, den Posten anzunehmen wie folgt: „Die Kultur muss das geistige Gegengewicht zu den Schwierigkeiten, mit denen die Völker konfrontiert sind, bilden.“ Daher müsse das Festival „ein Wahrzeichen der zeitgenössischen Kultur werden“.   
Einen einfachen Job hat Milios, der sehr gut Deutsch spricht und viele Jahre in Darmstadt und Osnabrück studierte, nun wahrlich nicht übernommen. Die Herausforderung bzw. Turbulenzen des Greek Festivals haben im Frühling dieses Jahres hohe Wellen geschlagen. Der belgische Künstler Jan Fabre wurde damals an die Spitze der Festivaldirektion gesetzt. Es folgten Proteste und Unmut seitens griechischer Künstlerverbände. Hauptgrund dafür war, dass dem Neuen nur wenig Zeit zur Verfügung stand, um die Arbeit der griechischen Künstler hinsichtlich einer möglichen Beteiligung beurteilen zu können. Aus diesem Grund wollte er für das erste Jahr vor allem mehr belgischen Künstlern den Vorrang geben und allgemein versuchen, das Festival „internationaler“ zu gestalten. Kurze Zeit später hat er seinen Rücktritt eingereicht.
Doch auch bei der darauffolgenden Führung hat es zwischen dem Präsidenten und den übrigen Mitgliedern des Managements gekriselt. Kulturministerin Lydia Koniordou erhofft sich nun durch die neue Führung des Festivals „einen stabilen und geordneten Betrieb zu Gunsten aller“. Andere Mitglieder der neuen „Greek-Festival“-Verwaltung sind u. a. der Komponist Jorgos Kouroupos, der Professor für Archäologie Vassilis Lambrinoudakis und die Übersetzerin Efi Giannopoulou. (Griechenland Zeitung / eh)

Unser Foto (© Eurokinissi) zeigt Jannis Milios (r.) während einer Sitzung des Zentralkomitees von SYRIZA am 30. Juli 2015.

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