Griechenland: Wintereinbruch ohne Gnade für Arme und Obdachlose Tagesthema

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Griechenland: Wintereinbruch ohne Gnade für Arme und Obdachlose
Angesichts des bevorstehenden Winters haben sich große Städte in Griechenland gewappnet, um ihre Obdachlosen zu beherbergen. Schlecht sieht es für zehntausende Haushalte aus, die an der Armutsgrenze leben. Ihnen soll zumindest der Strom während der Weihnachtszeit nicht abgeschaltet werden, wenn sie die Rechnungen nicht bezahlen können.    Der Winter und die Kälte sind nun auch in Griechenland eingebrochen: eine besonders harte Zeit für Obdachlose und arme Bürger. Es wird vermutet, dass im ganzen Land inzwischen 40.
nd inzwischen 40.000 Menschen auf den Straßen leben, letztes Jahr lag diese Zahl noch bei 20.000. Die meisten von ihnen halten sich in Athen auf. In zahlreichen Fällen handelt es sich um Griechen aus der Mittelschicht, die ihre Arbeit verloren haben und anschließend kein Geld für die Miete hatten oder Bankkredite nicht bedienen konnten. Angesichts der Kältefront, die in dieser Woche eingebrochen ist – etwa 10 Grad werden heute in Athen erwartet –, haben große Städte des Landes Notstandsmaßnahmen getroffen, um armen Mitmenschen ein Obdach, ein Bett und eine warme Decke in den kalten Nächten zu bieten.

Steigende Obdachlosenzahl

In Athen sind ab heute zwei geheizte Räume der Gemeinde in Betrieb. Es handelt sich um das Kulturzentrum in der Lenorman Avenue, Ecke Alexandrias 35, und um den Freundschaftsclub in der Kiou Straße im Athener Stadtteil Kypseli (Tel.: 210 8624449). Auch die Herberge für Obdachlose in der Alikarnassou Straße 49 im Stadtteil Akadimia Platonos ist in Bereitschaft. Hier werden auch Ausspeisungen und die Benutzung sanitärer Einrichtungen angeboten, außerdem stehen Ärzte zur Verfügung. Für Notfälle ist ganztägig die Hotline 1595 in Betrieb. Auf öffentlichen Straßen und Plätzen werden in Zusammenarbeit mit diversen Organisationen Decken und Lebensmittel verteilt.
In der Hafenstadt Patras gab es bisher kaum Obdachlose, doch auch hier steigt die Zahl deutlich an. Betroffene können sich in der Gounari Straße 76 melden. Untergebracht werden sie anschließend im Zentralen Hilfszentrum für Alte Menschen („KAPI“) der Stadt, das sich in der Filadelfias Straße 7 befindet. Wer Hilfe braucht, oder jemanden kennt, der Hilfe nötig hat, kann dort unter der Nummer 2610 390960 anrufen. Auch in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wird der Zustand Obdachloser immer akuter. Bisher hatte die Gemeinde lediglich zwei Hotelzimmer für besonders kalte Wintertage angemietet. Die Zahl der Obdachlosen ist jedoch in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Ende November wurde deshalb eine 750 Quadratmeter große Unterkunft für Bedürftige eingeweiht, in der 74 Betten zur Verfügung stehen. Sie wird täglich zwischen 19.00 und 8.00 Uhr geöffnet haben.  

Ein Viertel der Bevölkerung lebt in Armut

Armut betrifft jedoch nicht nur Obdachlose, die oft keine Angehörigen haben, die helfen könnten, sondern auch Familien, die mit wenig Geld auskommen müssen. Letztes Jahr lebten laut Statistik 23,1 % der griechischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren das 2.535.700 Personen bzw. 914.873 Haushalte. Als arm gilt in Griechenland jemand, dem im Jahr weniger als 5.708 Euro zur Verfügung stehen. Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren gelten als arm, wenn sie ein Jahreseinkommen von weniger als 12.000 Euro haben. In der entsprechenden Studie, die vom griechischen Statistikamt ELSTAT Ende November veröffentlicht worden ist, sind Bevölkerungsgruppen, die „de facto“ als arm gelten, wie etwa illegale Immigranten, Obdachlose oder Roma nicht berücksichtigt.

Tod durch Kohlebecken

Stärker sensibilisiert für das Problem der Armut wurde die Öffentlichkeit am Wochenende, nachdem eine 13-jährige Schülerin durch eine Kohlenmonoxidvergiftung ums Leben kam. Die Giftstoffe bildeten sich durch ein Kohlebecken, mit dem die Familie die Wohnung heizte, weil man ihr den elektrischen Strom abgestellt hatte.
Um weitere Unglücksfälle dieser Art zu vermeiden, hat etwa der Bürgermeister der Insel Zakynthos angekündigt, dass zumindest während der Weihnachtszeit alle Haushalte seiner Gemeinde mit Strom versorgt würden. Er hat die örtliche Außenstelle des Stromversorgers DEI darum gebeten, ihm die Daten von Haushalten zur Verfügung zu stellen, die die Rechnung nicht bezahlen konnten. Die Gemeinde erklärte sich dazu bereit, zumindest einen Teil der ausstehenden Schulden zu begleichen. Auch der Stromerzeuger selbst will Zugeständnisse machen. Am Dienstag hieß es in einer Pressemitteilung des Konzerns, dass armen Bevölkerungsschichten während der Weihnachts- und Osterfeiertage der Strom nicht abgeschaltet wird. Arme Familien erhalten zudem einen Rabatt in Höhe von 42 %, um ausstehende Schulden für den Verbrauch von Elektroenergie zu tilgen. Interessenten können sich unter der Telefonnummer: 210 9298000 melden.

(Text: Elisa Hübel, Foto: Eurokinissi) 
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