Umfragen bescheinigen der Regierungspartei SYRIZA Gewinne in der Wählergunst Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt Ministerpräsident Alexis Tsipras (l.) und Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt Ministerpräsident Alexis Tsipras (l.) und Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis.

Das Rad der Umfrageergebnisse scheint sich derzeit zu Gunsten der Regierungspartei Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA) zu drehen. Dem Regierungspartner Unabhängige Griechen (ANEL) droht hingegen politische Bedeutungslosigkeit. Das ergeben zwei Erhebungen, die am Wochenende veröffentlicht wurden.



Das Meinungsforschungsinstitut Prorata gibt der Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) mit 24,5 % einen Vorsprung von 5,5 Prozentpunkten vor SYRIZA (19 %). Damit verliert die ND ihren bisher sicheren Vorsprung, der seit mehr als ein Jahr bei den meisten Umfragen bei mehr als 10 Prozentpunkten lag.  
Veröffentlicht wurde diese Erhebung in der Samstagsausgabe der SYRIZA-nahen Zeitung „Efimerida ton Syntakton“. In der Wählergunst folgen die Bewegung der Veränderung – Kin.Al (7 %), die faschistische Chryssi Avgi (6 %) und die kommunistische KKE (4,5 %). Den Sprung in die Volksvertretung verfehlen würden die bis dato im Parlament vertretenen To Potami (2 %), Zentrumsunion (1,5 %) und der Juniorpartner im Kabinett Tsipras, die ANEL (1 %).
Durchgeführt wurde diese Umfrage zwischen dem 11. und dem 12. September; d. h. unmittelbar nach der im Fernsehen ausgestrahlten Rede des Ministerpräsidenten Alexis Tsipras (SYRIZA) auf der Internationalen Messe Thessaloniki (DETH). Allerdings glauben 74 % der von Prorata Befragten, dass es sich bei den Ankündigungen des Premiers um „Wahlversprechen“ handle.

Noch kleinerer Vorsprung
Auch die ebenfalls linksorientierte Zeitung Documento hat am Wochenende eine Erhebung veröffentlich. Erstellt wurde diese von einem weniger bekannten Meinungsforschungsinstitut namens „Vox Pop Analysis“. Darin wird der ND (29,5 %) sogar ein noch kleinerer Vorsprung von 3,5 Prozentpunkten vor SYRIZA (26 %) zugewiesen. Dennoch erklären 63,8 % der Befragten, dass sie den Eindruck hätten, dass sich das Land „in die falsche Richtung“ bewege. Was ihre Gefühle über die Tsipras-Rede bei der DETH betrifft, so erklären 36,74 %, dass sie „Wut“ verspürt hätten. Lediglich jeder Fünfte (18,28 %) hätte nach den Worten des Premiers „Hoffnung“ gespürt und 17,19 % seien durch seine Rede „enttäuscht“ worden.    
Eine weitere Umfrage wurde in der Sonntagsausgabe der Zeitung „Ethnos“ veröffentlicht. Verantwortlich zeichnet hier das renommierte Meinungsforschungsinstitut Kapa Research. Demzufolge glauben fast acht von zehn Griechen (76 %), dass sich die Verhandlungen des Premiers mit den Geldgebern, damit die Renten 2019 nicht abermals gekürzt werden, in die „richtige Richtung“ bewegen.

Mögliche Koalitionsverhandlungen
Das Ergebnis der genannten Umfragen korrigiert erneut das politische Bild über die politischen Parteien.
Der verringerte Vorsprung der ND legt die Einschätzung nahe, dass die Konservativen im Falle eines Wahlsieges wohl auf Koalitionssuche gehen müssten, um das Land zu regieren. Parteichef Kyriakos Mitsotakis hatte bereits in seiner Rede bei der DETH am vergangenen Sonntag erklärt, dass er eine solche Option ins Auge fasse. Der ND-Chef schloss allerdings die jetzigen Regierungsparteien SYRIZA und ANEL für ein solches Szenarium aus: Eine Polarisierung angesichts der kommenden Wahlen ist unverkennbar. Die von den PASOK-Sozialisten dominierte Bewegung der Veränderung (Kin.Al) könnte vielleicht als möglicher Koalitionspartner in Frage kommen.
Die Vorsitzende der Kin.Al Fofi Gennimata hatte in ihrer Rede bei der DETH festgestellt, dass es sich um die letzten Monate der Regierungszeit von Tsipras handle. Dessen einziges Ziel sei es, „jegliche Kreativität des Landes zu untergraben“, so die Sozialistin.
Auch die liberale Partei „To Potami“ käme – vorausgesetzt, dass sie die Drei-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament überwindet – theoretisch als Koalitionspartner in Frage. Anfang November wollen die Liberalen bei einem Parteikongress einen klaren Kurs in dieser Frage abstecken. Ein zunächst recht erfolgversprechender Kooperationsversuch mit der Kin.Al war in den vergangenen Wochen gescheitert. (Griechenland Zeitung / eh)


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