Schaukampf in Achaia auf der Peloponnes: Hier kandidieren die Großen Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt das Rathaus von Patras in Achaia auf der Peloponnes. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt das Rathaus von Patras in Achaia auf der Peloponnes.

Soviel ist sicher: Angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen (7.7.) wird es im Regionalbezirk Achaia auf der Peloponnes ein spannendes Derby geben.

Hier werden gleich drei Parteivorsitzende als Spitzenkandidaten antreten: Ministerpräsident Alexis Tsipras (SYRIZA), Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis (ND) und der frühere Premier und PASOK-Chef Jorgos Papandreou.

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Ministerpräsident Alexis Tsipras

Achaia ist traditionell links- und vor allem sozialistisch geprägt. Es ist eine der wenigen Regionen, in denen die Regierungspartei SYRIZA bei den vergangenen Europawahlen Ende Mai einen Vorsprung vor der ND herausarbeiten konnte.

Kommunistischer Bürgermeister von Patras
Der Bürgermeister der Hauptstadt der Region, Patras, Konstantinos Peletidis, wurde bei den Kommunalwahlen im Mai bereits nach der ersten Runde mit 70 Prozent der Stimmen wieder ins Amt in der Hafenstadt gewählt. Er stammt aus der kommunistischen Partei KKE.

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Oppositionschef Kyriakos Mitsotakis

Dass nun gerade der konservative Oppositionschef Mitsotakis in dieser Hochburg der Linken kandidieren will, überrascht auf den ersten Blick. Beobachter meinen, dass er damit in Achaia SYRIZA offenbar das Wasser abgraben wolle. Ein ND-Vorsprung in Achaia könnte regelrecht als ein historischer Sieg gelten; ein solcher Erfolg würde einer von vielen erwarteten Dominanz der Konservativen gegenüber SYRIZA gewissermaßen die Krone aufsetzen. Vor diesem Hintergrund sah sich Tsipras dazu veranlasst, auch seinen Namen auf die Wahlliste seiner Partei in Achaia eintragen zu lassen.
Eine traditionelle Hochburg ist der Regionalbezirk vor allem auch für die Sozialisten. Aus der Region Patras stammt die Familie des früheren Ministerpräsidenten Jorgos Papandreou. Letzterer ist zwar nur mehr Vorsitzender der Kleinpartei Bewegung der Demokraten und Sozialisten. Diese aber ist Mitglied der Bewegung der Veränderung (KinAl). Ohne diese Liaison mit der KinAl würde Papandreou den Sprung ins Parlament mit seiner Zwergenpartei wohl nicht bewerkstelligen können. Die KinAl wiederum ist Nachfolger der ehemaligen Volkspartei PASOK. Als Ministerpräsident hatte Jorgos Papandreou zwischen 2009 und 2011 die Geschicke Griechenlands geleitet; bis 2012 war er zudem PASOK-Chef. In den aktuellen Umfragen schneidet die KinAl nach einer Hängephase inzwischen stabil als drittstärkste politische Kraft ab.

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Der ehemalige Premier Jorgos Papandreou

Die Papandreou-Familie ist Urgestein in der griechischen Politik. Sie hat drei Generationen von Ministerpräsidenten gekürt: Großvater Georgios Papandreou (1888-1968) ist drei Mal griechischer Regierungschef gewesen (1944-1945, 1963 und 1964-1965 jeweils für einen kurzen Zeitraum). Er stammt aus Achaia. Dessen Sohn Andreas Papandreou war zwischen 1981 und 1989 zweimal sowie zwischen 1993 und 1996 abermals Ministerpräsident Griechenlands, außerdem ist er der Gründer der PASOK. Er ist der Vater von Jorgos Papandreou, der u. a. noch immer Vorsitzender der Sozialistischen Internationale ist. (Griechenland Zeitung / eh)

 

 

 

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