Nach acht Jahren: Offizielles Ende der Griechenland-Memoranden Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras.

Für Griechenland enden am Montag, dem 20. August, die seit acht Jahren anhaltenden Rettungsprogramme der internationalen Gläubiger. Athen erhielt insgesamt Kredite von knapp 300 Mrd. Euro. Im Gegenzug mussten einschneidende Reformen durchgeführt werden. Auch künftig soll die Finanzlage des Landes von den Geldgebern streng überwacht werden.



Ab Montag steht Griechenland zum ersten Mal seit 2010 finanziell wieder auf eigenen Beinen. Das bedeutet andererseits, dass es ohne die Hilfe der Internationalen Geldgebern auskommen muss. Seinen Finanzbedarf muss das Land künftig über die internationalen Geldmärkte abdecken.
Seit 2010 haben der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds knapp 300 Milliarden Euro in Form von zinsgünstigen Kredithilfen an das Land vergeben. Dadurch wurde ein drohender Staatsbankrott verhindert. Im Gegenzug musste Athen harte Spar- und Reformauflagen in die Tat umsetzen. An solche muss sich Griechenland auch künftig halten. Die Finanzlage des Landes soll von den Geldgebern weiterhin streng überwacht werden.

Positive Prognosen
Vor allem wird Athen auch künftig dazu ermahnt, eine effizientere Staatsverwaltung zu schaffen und das Umfeld für Unternehmen zu verbessern. Nicht zuletzt soll auch das staatliche Renten- und Versicherungssystem modernisiert werden. Letztendlich müssen auch vereinbarte Privatisierungen in die Tat umgesetzt werden. Nicht zu vergessen sind auch Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption, die ebenfalls intensiviert werden sollen.
Allein der ESM hat in den vergangenen drei Jahren 61,9 Milliarden Euro an Athen in Form günstiger Kredite vergeben. Weitere 24,1 Milliarden Euro standen dem Mittelmeerland zur Verfügung, wurden jedoch nicht mehr benötigt. Dieses Geld ist eine Art Polster, um nicht unmittelbar Schwankungen auf den Finanzmärkten ausgesetzt zu sein.
Zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2010 verzeichnete Griechenland eine Rezession in Höhe von 5,5 %. 2017 wurde hingegen ein wirtschaftliches Wachstum in Höhe von 1,4 % verzeichnet; 2018 soll dieses 1,9 % und 2019 soll es gar 2,3 % betragen.
Im Sinken begriffen ist hingegen die Arbeitslosigkeit. 2010 lag diese bei 12,7 %. Ihren absoluten Höhepunkt erreichte sie im Juli 2013 mit 27,5 %. Im Mai des laufenden Jahres ist sie auf 19,5 % gesunken, so zumindest die Einschätzung des ESM.
Der geschäftsführende Direktor des ESM Klaus Regling stellte fest, dass Griechenland das fünfte Land ist, das ein Programm des ESM verlässt. Vorangegangen sind Irland, Spanien, Portugal und Zypern. Der ESM und die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) seien mit 55 % der Gesamtschulden Griechenlands die größten Gläubiger des Landes.

Künftige Pläne
Am Montag oder Dienstag will Ministerpräsident Alexis Tsipras eine Rede an das griechische Volk halten. Auch eine Regierungsumbildung steht in Aussicht. Am 8. September will er eine weitere wegweisende Ansprache im Rahmen der Internationalen Messe Thessaloniki (Deth) halten. Beobachter erwarten, dass er von der nordgriechischen Metropole aus Steuererleichterungen sowie positive Maßnahmen für den Arbeitsmarkt ankündigen dürfte.  

Elisa Hübel

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